Der letzte Vorhang (Teil 2)

Ihr erinnert euch noch? Ich habe über den letzten Vorhang geschrieben und versprochen, ein anderes Mal noch mehr dazu zu sagen. Nun, ich hab mir zwar ein bisserl mehr Zeit als erwartet gelassen (was aber nicht alleine meine Idee war, unglücklich war ich aber auch nicht drüber, dazu später mehr), aber jetzt ist es soweit, heute ist ein anderes Mal…

Ich spiele jetzt das vierzehnte Jahr Theater. 14 Jahre, in denen ich sicherlich einiges dazugelernt habe, in denen Freundschaften entstanden sind, in denen ich heraus gefunden habe was ich kann und was ich nicht kann (zumindest was die Sachen auf der Bühne betrifft ist das auch jeweils eine recht kurze Liste) und letztendlich hat es immer Spass gemacht. Mal mehr, mal weniger, aber im Grunde hat der Spass immer überwogen. Ist ja auch klar, sonst wäre ich nicht 14 Jahre dran geblieben.

Klingt jetzt nach einem dicken fetten „aber“, oder? Lassen wir das „aber“ einfach weg, denken darf es sich der treue Leser aber natürlich trotzdem. Die letzten Jahre wurde der Aufwand immer mehr. Spielt man 14 Jahre Theater passiert es zwangsläufig, dass man besser professioneller wird. Man lernt mehr Tricks, was das Bühnenbild betrifft geht man auch immer neue immer andere Wege, Licht- und Tontechnik ist am Anfang lästiges Beiwerk, wird mit der Zeit aber immer mehr mit eingebaut in die Inszenierung, wird immer mehr als Stilmittel verwendet (und dazu passt ganz gut, dass sich unser Licht- und Tontechniker jedes Jahr auf unsere Aufführungen freut, schließlich sei das ja auch für ihn stets Gelegenheit, etwas neues zu lernen). Das bedeutet aber eben auch, dass das ganze Rundherum mehr wird, wichtiger wird: Mehr Leute wollen zur Premiere eingeladen werden, die Plakate müssen früher gemacht und gedruckt werden, die Reservierungslisten werden grösser (und die Leute, die „besonders“ gut sitzen müssen, werden auch von Jahr zu Jahr mehr) und manchmal hatte ich vor allem die letzten zwei Jahre immer wieder das Gefühl, dass das Wichtigste auf der Strecke bleibt – das Theater spielen. Für mich zumindest. Schließlich ist das „auf der Bühne stehen“ der Hauptgrund für mich gewesen, mit dem Theater spielen zu beginnen. Im Standard lobend erwähnt zu werden, nicht mehr als nettes Beiwerk. In der NÖN gut wegzukommen – fast schon selbstverständlich. Aber das einzig Wahre, der Grund, das Spielen selbst, das auf der Bühne Spass haben (und damit meine ich jetzt nicht, ein lustiges Stück spielen zu müssen, man kann als Schauspieler auch bei einem tragischen Stück Spass auf der Bühne haben), das hat sich ein bisschen verloren.

Natürlich ist eine Theatersaison lang und vor allem bei uns, die wir uns fast ein dreiviertel Jahr nur mit einem Stück, nur mit einer Rolle beschäftigen. Das es dabei gegen Ende hin ein bisserl zach wird, ist klar und das ich mich jedes Jahr auf die Theaterpause gefreut habe sowieso. Nur heuer habe ich mich besonders gefreut. „Der Bockerer“ war aus gesamter Theatergruppensicht gesehen sicherlich unser größter Erfolg, zehn ausverkaufte Vorstellungen, tolle Kritiken, eine geschlossen starke schauspielerische Leistung, massenhafte Schulterklopfer, die immer schon von uns begeistert waren. Und trotzdem war die letzte Saison für mich besonders schwierig, habe ich mich besonders auf die Theaterpause gefreut. War es wirklich das verflixte 13. Jahr, waren es wirklich die drei doch eher ernsten Stücke hintereinander, es hat mir einfach nicht mehr den Spass gemacht. Das es in einer Familie – und ich sehe das Theater als grosse Familie an – in dreizehn Jahren nicht immer reibungslos abläuft und dann und wann schon mal kracht ist logisch. Hat damit auch gar nicht mal so viel zu tun. Wie auch immer. Ich habe mir heuer nach der letzten Vorstellung ernsthaft und eine ganze Weile lang überlegt, ob ich nicht aufhören sollte mit dem Theater spielen. Oder zumindest eine Zeitlang pausieren sollte.  Kleine künstlerische Schaffenspause einlegen quasi.

Insofern war es also vielleicht wirklich gut, dass die Theaterpause heuer besonders lang gedauert hat. Schließlich haben wir normalerweise das neue Stück Anfang des Sommers gewusst und gegen Ende des Sommers sind wir schon auf der Bühne gestanden und haben fleissig geprobt. Heuer haben wir uns Ende September gerade mal erst aufs Stück geeinigt (Der Alpenkönig und der Menschenfeind). Welche Rolle wer spielt? Wann wir das erste Mal das Stück lesen werden? Nö, Blödsinn, das steht schon fest… Durch die lange Pause ist aber tatsächlich (so wie jedes Jahr, nur halt dieses Mal ein bisserl später) wieder die Lust aufs Spielen zurück gekommen. Ich bin wieder heiß auf die Bühne, bin doch zu sehr Rampensau, um mich jetzt schon aufs Altenteil zurück zu ziehen (ginge ja auch gar nicht, schließlich hat ja Hollywood noch immer nicht angerufen). Ganz im Gegenteil, das Angebot, in Schwechat im Sommer bei den Nestroyspielen mitzumachen, werde ich zwar aus Zeitgründen ablehnen müssen, aber die Statistenrolle beim „Talisman“ einer Wiener Theatergruppe werde ich mir schon aus Hetz-Gründen nicht entgehen lassen (man hat uns beide zwar noch selten in Statistenrollen gesehen, liegen uns aber sicher auch ganz gut).

Conculsio, ganz persönlich: nicht alles ist letztes Jahr optimal gelaufen, manches davon hat sich schon gebessert, manches davon können wir noch bessern, manches ist wie es ist und die Liebe zum Theater, zur Bühne, die kommt immer wieder. So froh kann ich gar nicht über den letzten Vorhang sein als dass ich mich nach langer oder kurzer Pause doch wieder aufs Spielen freue…

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