Austria Wien oder Warum ich trotzdem leide

Warum genau ich seit meiner Kindheit Austria Wien (oder Magna oder Memphis oder wie auch immer sie meinen Verein in den letzten Jahren genannt haben) Fan bin, weiß ich eigentlich gar nicht so genau. Es ist nicht so, dass ich ein fanatischer, strenggläubiger Anhänger bin, dazu fehlt mir die totale, absolute Begeisterung für Fußball, es interessiert mich, ich ärgere mich, wenn die Austria verliert, schau mir ab und an ein Match im Fernsehen an, im Europacup auch mal ein Match im Stadion, aber für ein normales Bundesligaspiel käme ich nie auf den Gedanken mir Karten zu besorgen. Ausserdem muss man meine Fanleidenschaft auch abstufen, ich bin vor allem in erster Linie Austria Wien Fan, dann Wien Fan und dann nix. Also immer noch besser, Rapid wird Meister als Salzburg, Graz, Innsbruck oder wer auch immer. Warum das so ist, keine Ahnung, schließlich bin ich ja nicht mal selbst Wiener, man kann mir also keinen Städterchauvinismus vorwerfen, es ist halt so. Und im Europacup helfe ich sowieso zu jedem österreichischen Verein.
Jetzt ist es – wenn man den österreichischen Fußball kennt, die letzten Jahre über mitverfolgt hat und sich auch ansonsten ein bisserl für Sport interessiert – natürlich so, daß man als Austria-Fan leiden können muß. Ständige Trainerwechsel (schon vor Stronach war die Austria nie ein Verein – zumindest nicht, solange ich es bewußt mitverfolge – der auf Kontinuität gesetzt hat), seit 2, 3 Jahren andauernde Wickel mit Sponsoren, immer die Unsicherheit im Hinterkopf, obs überhaupt und wenn in dieser Budgetgröße weitergehen kann, eine sagen wir mal sehr seltsame Transferpolitik (wobei Thomas Parits da zum Glück die letzten 1 1/2 Jahre etwas Ruhe reingebracht hat), kurzum, sich wirklich glücklich zurücklehnen und seinen Verein genießen kann ein Austria-Fan eigentlich nie für einen längeren Zeitraum. Aber, so ehrlich müssen wir sein, tief in unserem Inneren wollen wir Austria-Fans das glaube ich auch nicht. So ein bisserl raunzen gehört dazu, in der Hinsicht ist die Austria für mich immer der richtigere, zu Wien eigentlich mehr passende Verein als Rapid. Als Austria-Fan leidet man, freut sich zwar über Siege, aber nicht zu viel, schließlich weiß man ja, daß es bald wieder mit ziemlicher Sicherheit warum auch immer bergab gehen wird.
Aber so wie beim letzten Derby hat man sich als Austria-Fan nicht zu benehmen. Ich bin kein eingetragenes Austria-Mitglied, kann also nicht austreten aus Protest, würde ich auch nicht, ich würde auch nicht die Knallkörperwerfer zum Austritt zwingen, ne, wären die nämlich wirkliche Austria-Fans, dann hätten sie den Anstand, von selbst zu gehen. Haben sie aber nicht, weil als wirkliche Austria-Fans hätten sie schon mal gar nicht geworfen. Nur Austria-Fans, so dürfen die sich wirklich nicht mehr nennen.
Pointe dieser Geschichte, oder Zusammenfassung, oder grosse Lehre die man daraus ziehen kann: ein weiterer Grund für wahre Austria-Fans ein bisserl mehr zu leiden, ein bisserl mehr zu seufzen, wenn auf die Austria die Rede kommt. Und natürlich wünsch ich Georg Koch gute Besserung und hoffentlich geht’s ihm bald wieder besser und bleibt auch nix zurück.

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