Das gefällt mir dann wirklich nicht mehr… oder doch?

Witzig… da wollte ich eigentlich nur ein bisserl Dampf ablassen und dann sorgt der Beitrag für einerseits sehr sehr positives Feedback (nämlich hauptsächlich, und dass ist ja das schönste, Real-Life-Feedback) und andererseits gibt es wunderbaren Widerspruch und dritterseits wurde mir heute von profunder Seite bestätigt, wie recht ich habe…

Aber der Reihe nach. Positives Feedback lassen wir jetzt mal aussen vor: Ich hab mich drüber gefreut und das passt schon. Kommen wir doch gleich zum Widerspruch. Kam nämlich aufgrund dieses Absatzes:

Erst kürzlich hat mir eine neue “Freundin” geschrieben, wie schön das auf Facebook wäre, wie schnell und einfach man da in Kontakt mit neuen Menschen käme. Wie ehrlich und einfach man doch miteinander reden könne. Mal ganz abgesehen davon dass mich diese “Freundin” nicht die Bohne kennt, nicht weiß, ob ich wirklich der nette Typ bin, der ich bin (bin ich der überhaupt?). Ist es wirklich so einfach? Oder sind wir wirklich so ehrlich?

Eben diese “Freundin” meinte dann nämlich:

Ja, es ist so einfach. Gerade der Anonymität wegen, von der mir persönlich vollkommen klar ist, dass sie nicht in der Form existiert, wie viele das vielleicht glauben mögen, ist es so einfach. Es ist letztlich nicht wichtig, ob du der nette Typ bist, für den ich dich halte. Ob du im richtigen Leben ein Arschloch bist, deine Freunde hintergehst, deinen Arbeitgeber betrügst oder beim Billa Kaugummi klaust, spielt für mich bei dieser Art von „Freundschaft“ keine Rolle. Das Gespräch steht im Vordergrund, was oder wer wirklich dahinter steckt, ist nebensächlich. Und gerade weil ich dich nicht kenne und du mich nicht kennst, weil du nicht weißt, wer ich wirklich bin und wie mein echtes Leben aussieht, kann ich ehrlich und ohne Umscheife sagen, was ich möchte, schreiben wozu ich Lust habe oder mich nach zuviel Wein vor den Computer setzen und Schwachsinn verzapfen – weil es mir egal sein kann, was du über mich denkst, weil ich keinen Grund habe, einem Fremden irgendwas vor zu machen.

Und das stimmt natürlich. Hab ich auch schon gemacht. Mehr als nur einmal. Klingt jetzt vielleicht wirklich paradox, aber natürlich ist es in gewisser Hinsicht einfacher, mit wildfremden Menschen über persönliche Dinge zu reden. Schließlich kann man sich vor ihnen nicht blamieren, braucht nicht befürchten, das Gesagte jemals vorgehalten zu bekommen. Das Gegenüber dient ja auch nicht dazu, Feedback zu geben, muss keinen Ball  zurück spielen. Nur zuhören muss es. Und das ist leichter als bei Menschen die man kennt. Denn auch bei Menschen, denen man vertraut, die man liebt, kann man die Angst haben, dass das Gesagte nicht einfach so hingenommen wird, dass der Mensch, den man kennt, die Worte in den falschen Hals bekommt.

Aber, und natürlich muss es hier ein aber geben, einfacher heißt nicht immer richtig. Denn wenn ich jemanden nur etwas erzähle um es zu erzählen kann ich gleich mit dem Spiegel reden. Und natürlich kann ich Angst davor haben, mich geliebten Menschen zu öffnen. Natürlich ist es schwer, jemandem zu vertrauen. Aber letztendlich ist es das immer wert. Selbst wenn man einmal enttäuscht wird. Selbst wenn das Vertrauen missbraucht wird. Selbst dann. Aus Fehlern lernt man und wer auch immer gesagt hat

Wir fallen nur deshalb, um wieder aufstehen zu lernen.

hat Recht gehabt. Letztendlich – und ich gebe zu, ich hab es selbst ja auch schon so gemacht – letztendlich machen wir es uns doch viel zu einfach. Wir reden uns ein, wie offen wir wären, wie viele neue Menschen wir kennen lernen. Wie toll das doch alles ist. Aber das ist es in Wirklichkeit doch gar nicht. Ich will jetzt niemanden beleidigen, aber was für ein Gespräch steht denn dann im Vordergrund? Kann es wirklich Nebensache sein, wer die Person ist, mit der wir uns unterhalten? Was bringt es mir, jemandem, den ich nicht kenne, zu sagen, wozu ich Lust habe? Überspitzt gesagt, ich könnte dann doch genauso in den Wald gehen und die Bäume anschreien, oder? Nein, tatsächlich verstecken wir uns dann doch bloß. Wir glauben, offen für alles zu sein und letztendlich sitzen wir alleine vorm Rechner und lesen und kommentieren Statusmeldungen von Menschen, die wir nicht kennen, vielleicht noch nicht mal verstehen. Aber wenn ein hübsches Mädel 2x hintereinander einen witzigen (und in Wirklichkeit nicht mal ansatzweise zweideutigen) Status postet, kriegt sie tonnenweise Kaffee-Einladungen. Schließlich wollen wir sie alle ja nur kennenlernen…

Ok, ich geb es zu, das letzte Beispiel stimmt nicht ganz. Tatsächlich ist sie nicht hübsch, sondern wunderschön. Deswegen ist es ja auch verständlich, dass ein “Freund”, der an und für sich immer für witzige Meldungen, lustige Postings zu haben war, plötzlich weg ist. Keinen Pieps mehr von sich gibt. Denn oh Wunder, die Ehefrau findet witzige Meldungen nicht witzig sondern glaubt, dass da mehr dahinter ist. Ist es nicht. Aber mach das mal einer eifersüchtigen Frau klar. Wer schuld ist? Niemand. Alle. Geht es um Schuld?

Ich glaube, wir machen es uns heute in vielem viel zu einfach. Schnell auf “gefällt mir” geklickt und – anderes Beispiel – ne schnelle Nachricht geschickt, schließlich hat sie ja gepostet, sie mag jetzt kuscheln, da kann ich doch einer wildfremden Person eine Einladung für ein romantisches Wochenende schicken. Warum auch nicht? Kennenlernen war gestern. Und Vertrauen muss auch nicht sein. Zumindest nicht den anderen. Warum auch. Ich finds nur schlimm, wenn diese Oberflächlichkeit in die wirkliche Welt auch rüberkippt. Wenn wir – wieder anderes Beispiel – uns Freiheiten unseren (potentiellen) Partnern gegenüber rausnehmen (wollen), die wir selbst nicht zu geben bereit sind. Oder die andere vielleicht verletzen könnten. Vertrauen in einer Beziehung muss sein. Mal alleine fortgehen auch. Aber fortgehen mit dem angesagten Selbstzweck, zu flirten, um rauszufinden, wie weit man gehen könne…?

Und bevor das jetzt alles zu sehr ins Raunzerische abgleitet hör ich auch schon auf, denn letztendlich kann man natürlich fast alles oben herumgemotzte mir genauso vorwerfen. Und das “oder doch” im Titel hat auch seine Berechtigung. Schließlich hab ich ein paar sehr sehr gute Freunde auf Facebook wiedergefunden. Aber wirklich neue Menschen kennengelernt hab ich nicht. Nicht auf Facebook. Nicht ausschließlich. Die wichtigsten treffe ich immer noch am liebsten offline… Am Ende bleibt doch sowieso nur der Humor. Zählt nicht. Und ist das wichtigste überhaupt.

Ach und passt zwar nicht wirklich hier rein (oder aber vielleicht in Wirklichkeit doch gerade deswegen?) aber ich höre es grade in Dauerschleife und einfach nur, weil es wunderschön ist…

ach und btw… unter Umständen gibt es in Bälde zu diesem Thema auch noch einen Gastbeitrag… freu mich schon drauf

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