Ich bin ein Gutmensch oder Der “Gefällt mir nicht” Trilogie letzter Teil

Ich dachte nicht, noch einen “Gefällt mir nicht” Beitrag zu schreiben. Nach dem und dem hier dachte ich eigentlich, es wäre alles nennenswerte gesagt… aber man soll ja bekanntlich niemals nie sagen und deshalb nenn ich diesen Beitrag jetzt auch absichtlich den letzten Teil. Ich widersprech mir einfach viel zu gerne (abgesehen davon steht ja auch immer noch I.s Betrachtung dazu aus, da sagen wir dann halt einfach, das wäre das Prequel zu dieser Serie, ok?)

Also, worum geht es dieses Mal. Um peinliches sich selbst und anderen auf die Schulter klopfen, wie toll man doch wäre ohne es direkt zu sagen. Was ich meine? Nun, auf Facebook grassiert gerade diese supertolle Statusmeldung:

Wenn ich bei Dir um Mítternacht läuten würde und ich hätte Tränen in den Augen, würdest Du mir helfen??? Wenn ja, dann klick auf *Gefällt mir*. Poste es auf Deinen Profil und du wirst sehen wieviel wahre Freunde du hast….

Die Rechtschreibfehler hab ich jetzt mal ganz bewusst drinnen gelassen, die stören mich jetzt aber auch nicht mal so… Was mich stört, oder besser, was mir zu denken gibt, ist folgendes: Welcher Arsch müsste man sein, irgendjemandem, egal, ob man den oder die jetzt kennt oder nicht, die Tür vor der Nase zuzuschlagen, wenn diese Person nachts weinend vor deiner Tür steht. Also vielleicht oute ich mich da jetzt als Gutmensch und Mutter Theresa in einer Person (was ich aber ehrlich gesagt nicht glaube), aber ich könnt es nicht. Egal ob das jetzt ein wahrer Freund ist oder nicht. Wozu also diese Statusmeldung? Wozu dann auf “gefällt mir” klicken? Was sagt es über Typen aus, die 200 Facebook-Freunde haben, diesen Status posten und dann klicken 3 drauf? Sind die anderen 197 dann Arschlöcher? Und warum sind die 3 dann die besten? Weil sie klicken? Und Gegenfrage. Klicken 98 auf “gefällt mir”, sind die dann Menschen, die es verstanden haben oder einfach nur Typen, die auf alles klicken, das nicht bei 3 auf den Bäumen ist? Oder weil sie für Freunde da sein mit einer Selbstverständlichkeit, mit Menschlichkeit, verwechseln. Steht jemand weinend um Mitternacht vor meiner Tür, versuche ich zu helfen. Keine Ahnung, wie diese Hilfe aussehen könnte und ganz sicher würde ich für diese Person nicht alles machen, aber versuchen zu helfen würde ich auf jeden Fall. Für meine “wahren Freunde” würde ich durch die Nacht eilen, um ihnen zu helfen. Auch wenn sie nicht weinen.

Aber vielleicht passt das ganze ja auch zu nem zweiten Status, der grade quer über alle Pinnwände geistert…

Wieviele von uns kennen wirklich alle auf unserer FB Freundesliste? Hier ist eine Aufgabe für dich: Ich will dass alle meine FB Freunde einen Kommentar zu diesem Status schreiben, wie sie mich kennengelernt haben. ……Nachdem du das getan hast, kopiere diesen Text und füge ihn in …deinen Status ein, so dass ich das selbe für dich …tun kann. Du wirst  beeindruckt sein über die Ergebnisse, die du bekommst. :)

Klar, ich bin beeindruckt über Texte wie “im Kindergarten”, “in der Schule”, “in der Arbeit”… Ich will nicht ungerecht sein, es gibt natürlich auch positive Ausreißer, die tatsächlich eine gute Geschichte zu erzählen haben.

hmm…. keine ahnung!! wir kennen uns schon ewig, aber wirklich miteinander zu tun hatten wir es erst vor 3 jahren oder so!!

oder vielleicht das Ergebnis hier, das ist mal wirklich was anderes…

Mein schatzi wir wissen das ma sich kennen u wie auch noch ♥

Aber das sind dann Insider, die wir anderen sowieso nicht verstehen und mal ganz ehrlich, dass ich Gaby und Birgit aus der Volksschule kenne und Tommy und Michael aus der Arbeit, dazu brauch ich kein Posting. Und beeindruckt bin ich von dem Ergebnis auch nicht wirklich. Wobei, bin ich ein Mensch, der anderen die Türe vor der Nase zuschlägt, beeindruckt es mich dann vielleicht doch, dass ich mit 28 % meiner Facebook-Freunde tatsächlich sowas ähnliches wie eine persönliche Beziehung habe. Warum mich diese beiden Postings aufregen? Sie regen mich ja gar nicht auf, ich wundere mich halt nur immer wieder und manchmal halt mal auch etwas mehr über die Dummheit Ignoranz Kurzsichtigkeit das Nicht-Nachdenken von so vielen. Hoffe ich zumindest. Denn wenn das nicht so ist, wenn das alles tatsächlich so ernst ist wie es genommen wird, möchte ich niemals Probleme haben, bei denen ich vor eurer Tür stehe und anläuten muss…

Ach und, wenn wir schon dabei sind: Die erste Idee damals, mit den Farbpostings eurer Unterwäsche betreffend, auf Brustkrebs aufmerksam zu machen, war ja wirklich o.k., unterstützenswert. Aber schon bei “ich habs gern im Bett” mit der Frage nach “wo ist mein Handy” wars abgedroschen. Jetzt genau die selbe Frage nochmal mit der Handtasche durchzuziehen ist dämlich. Andererseits? Es gibt noch immer Typen, die es nicht kapiert haben, sogesehen, weiter so. Vielleicht für die Zukunft noch: “wo ist mein Autoschlüssel?”, “wo ist mein Lippenstift?” und “wo ist mein Eyeliner?”

Ganz so furchtbar sehe ich das alles natürlich eh nicht, schließlich zählen die beiden ersten “gefällt mir nicht”-Beiträge zu den meistgeklickten der letzten Monate und auf Facebook haben sie zahlreiche “gefällt mir” kassiert, also bitte, was solls, weiter so…


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