Tief durchatmen oder Die Ruhe vor dem Sturm

Einen Jux will er sich machen - Weinberl singt sein selbstgedichtetes Couplet
Einen Jux will er sich machen - Weinberl singt sein selbstgedichtetes Couplet
Image by offnbeil via Flickr

Ihr gestattet? Ich darf mal wieder ein bisserl philosophieren, gut? Schließlich haben mich die letzten Tage nur irgendwelche Rechtsthemen beschäftigt und Sachenrecht und Familienrecht und dieses ganze Zeugs in allen Ehren, meine ganz grosse Leidenschaft wird es aber wohl nie werden.

Theater spielen allerdings schon. Sonst würd ich es jetzt ja nicht schon bald 12 Jahre machen. Klar, “nur” Laientheater. Zu Beginn “nur” in Enzersdorf, jetzt “nur” in Fischamend. Und ich gebe es auch zu, Theater spielen ist doch ein recht zeitintensives Vergnügen und Geld gibt es dafür  keines, keine Gage und mal ganz ehrlich, nur der Applaus, nur das Vergnügen auf der Bühne stehen zu dürfen, da stellt sich schon die Frage, ist es das wirklich wert? Reicht das als Grund für dieses Hobby?

Jetzt könnte ich natürlich sagen, dass das ja nicht alles ist, schließlich habe ich in diesen 12 Jahren mit sovielen Menschen auf der Bühne stehen dürfen, Menschen, die über die Jahre weg zu meinen Freunden wurden, manche sogar zu meiner Familie.

Aber das ist, zumindest für mich, nicht mal das Wichtigste. Nicht der eine Grund, warum ich seit 12 Jahren auf der Bühne stehen will. Nicht der eine Grund. Auf die Gefahr hin, dass es blöd klingt, aber die Gefahr besteht ja hier bei fast allen Geschichten, die ich so erzähle, also warum sollte ich hier und heute und jetzt auf einmal ein Peinlichkeitsgefühl entwickeln…

Wer schon mal auf der Bühne stand, der wird diesen einen Moment kennen. Diesen Moment, kurz vor Beginn der Vorstellung, kurz vor dem ersten Auftritt. Du stehst schon hinter dem Vorhang, das Licht im Saal ist aus, das Murmeln der Zuschauer ist verebbt und alle im Saal, einschließlich dir selbst, wissen, dass es nur mehr ein Augenblick ist bis es losgeht. Und obwohl es objektiv betrachtet tatsächlich nur ein Wimpernschlag ist, bis der Vorhang aufgeht und dich das gleissende Scheinwerferlicht einfängt, obwohl du tatsächlich nur einmal ein- und wieder ausatmest, passiert doch unendlich mehr.

Du atmest ein und dann bleibt die Zeit stehen. Du siehst das ganze Stück vor dir, alles läuft schon mal ab. Die ganze Angst, das Lampenfieber, alles fällt ab von dir, du hörst auf hibbelig zu sein und wirst völlig ruhig, ruhst in dir wie ein südchinesischer Panda im Winterschlaf (und verdammt noch mal, ich weiss, das ist eine bescheuerte Beschreibung, aber so fühlt es sich nun mal an) und du weisst, dass da draussen ein ganzer Haufen Leute sitzt, die nur gekommen sind, weil sie wollen, dass du ihnen eine Geschichte erzählst und du weisst in diesem Moment, dass du ihnen diese Geschichte erzählen kannst  und vielleicht schaust du nach links und rechts zu deinen Kollegen wie sie neben dir stehen und vielleicht empfinden sie genauso oder auch ganz anders, aber das ist in diesem Moment vollkommen egal. Schließlich ist es dein Moment, deine Zeit und dann atmest du aus und der Vorhang geht auf und die Scheinwerfer an und du spielst Theater.

Und glaubt mir, dieser eine Moment ist es, ist die ganze Mühe wert…

… und dann natürlich noch die Frauen :-)

(o.k. ich gebs zu, bisher halten sich die Groupies noch in Grenzen, aber man ist ja geduldig)

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