Und wieder eine wunderbare Plauderei… ich habe ja hier erklärt, dass dieses Plauderei-Konzept für mich bedeutet, mit Menschen zu plaudern, zu denen ich in irgendeiner Weise ein Näheverhältnis habe. Hat bei #1 gestimmt, schließlich wohnen wir nicht nur in der selben Ortschaft, es gibt auch wenige Menschen, mit denen ich lieber einen Burger und ein Eis essen gehe. Bei der zweiten Plauderei ist das nicht wirklich möglich. Zwar gibt es essenstechnisch auch mit Bee eine Verbindung, aber wie die ganze Plauderei ist auch die einzig und allein online… was uns aber nicht von einem wie ich finde sehr feinem Plausch abgehalten hat. (vorneweg: Bee’s Flickr-Photos findet ihr hier)
Ich stell jetzt ganz einfach die gleiche erste Frage wie immer (spart Arbeit und hat sich bewährt): Bevor wir zu den künstlerisch wertvollen Fragen und Antworten kommen, sag doch ein paar Stichwörter zu dir?
Hobbyfotograf mit Hang zu viel Bokeh, Bücherwurm, neuerdings kochbegeistert, Gelegenheitssportler, Schokoladenfan, begeisterungsfähig, schlafe gerne.
Zu neuerdings kochbegeistert kommen wir später noch, zuerst mal: Bokeh?
Japp, das ist dieses unscharfe Zeug in den Fotos. Also alles, wo man nicht alles erkennt. Oft ist in meinen Fotos nur ein kleiner Bereich scharf, alles andere verläuft sich ins Bokeh hin. Ich mags, auch wenn ich gelegentlich gefragt werde, warum ich denn nicht alles scharf mache. Da könne man doch viel mehr erkennen. Eben darum mache ich es ja grad nicht. Lieber lenke ich den Blick des Betrachters auf den kleinen scharfen Punkt im Foto – find ich klasse.
Kenn mich aus… Oder auch nicht. Mit Tilt Shift hat das jetzt nicht unbedingt zu tun? Du merkst, ich kenn mich zwar nicht aus, schmeiss aber gern mit Begriffen um mich
“Paralaxenverschiebung”, “lens flare”, “Gradationskurve”… das kann ich auch
Tilt Shift ist aber was andres. Das ist, wenn so fotografiert (oder nachbearbeitet) wird, dass von einer Landschaft nur ein Teil scharf ist, quasi eine Ebene parallel zum Betrachter. Der Rest ist unscharf. Dadurch wirkt es wie eine Miniaturaufnahme. Mochte ich noch nie wirklich. Wirkt auf mich, als sei die Wirklichkeit nicht interessant genug, als müsse man da nachbessern. Darum mag ich auch die wenigsten HDR- und Colorkey-Fotos. Da, noch zwei Begriffe für dich!
Um Himmels willen, schaut so aus, als würd ich bei der Plauderei noch tatsächlich was lernen… herrlich
. Hast du deine Kamera immer dabei und knipst, was dir vor die Linse kommt oder planst du deine Touren und machst dann ganz bestimmt Jagd auf ein vorher überlegtes Motiv?
Jain. Meine “richtige” Kamera habe ich im Alltag nicht dabei. Meine Handtasche ist auch ohne sie schon schwer genug.
(bei welcher Frau nicht?)
Für spontane Fotos hab ich da meine kleine Handtaschenkamera. Wenn ich mit der großen Kamera unterwegs bin, dann gibt es dafür schon einen Auslöser – das kann ein interessantes Event sein oder einfach das Bedürfnis, mal aus dem Alltag auszubrechen. Meine Planung ist da eher begrenzt: Hab ich alle Objektive, die ich brauche? Schlepp ich mich auch nicht tot? Brauch ich ne Jacke? Ist die Chipkarte drin? Der Rest kommt aus dem Bauch heraus. Und das geht wunderbar, es hat etwas Meditatives, ohne Ziel oder Vorgaben loszuziehen und zu schauen, was passiert.
Wie siehst du Challenges oder Photo-Projekte? Engt das ein, weil du nur stur ein Thema verfolgen musst und den Blick für anderes verlierst oder trainiert es das Auge, spezielles zu entdecken?
Beides stimmt. Nur, weil man ein Projekt verfolgt, heißt das ja nicht, dass man nicht auch noch andere Sachen nebenher machen darf. Manchmal braucht man ein Thema, ein Projekt, muss dranbleiben, um etwas zu erreichen. Ich habe schon so oft gelesen, dass Menschen, die so ein 365-Projekt (ein Foto/Tag, meist mit Thema) durchziehen, dass die hinterher sagen, es habe ihnen richtig was gebracht. Da hab ich großen Respekt vor. Denn ich muss gestehen, dass ich nicht sonderlich gut in solchen Projekten bin. Ob Saris Projekt 52 (Link) vom vorletzten Jahr oder mein Versuch, täglich ein Selbstporträt zu machen: Ein paar Monate, und die Luft ist raus. Für mich ist das nicht das Richtige. Aber das muss jeder für sich selbst rauskriegen.
Paradoxerweise habe ich im letzten November nochmals ein Projekt mit Selbstporträts gestartet, jeden Tag eins. Es lief lange gut, aber seit einer Woche ist die Luft raus, dass ich es jetzt schon dreimal innerhalb einer Woche bewusst vergessen habe. Einerseits bringt Durchhalten ja vllt mehr, andrerseits seh ich auch nicht ein, warum ich mich nach einem langen Arbeitstag dazu zwingen sollte, wenn ich eh keine Idee hab. Es wird sich zeigen, wie das weitergeht…
Link Projekt Selbstportraits I
Link Projekt Selbstportraits II
Na dann bin ich schon mal gespannt, was da kommt… HDR magst du nicht wirklich… was hältst du generell von Bildbearbeitung? Wie weit darf die gehen?
Solange es gefällt, ist es ok. Persönlich mache ich zwar selten mehr als Helligkeit, Kontrast… manchmal änder ich die Farbnuancen noch. Mag halt nicht stundenlang vor einem Foto sitzen. Aber wer mag, kann gern an seinen Bildern schrauben, wie er lustig ist – mich stört das nicht. Dich?
… ach ich muss an meinen Bildern rumschrauben, rein direkt von der Kamera raus sind die meistens nicht wirklich brauchbar… Mal abgesehen von allem anderen, gibt es einen einfachen Tipp, wie ich das mit Blende und so auf die Reihe kriege?
Ja: 10 min alle Vorurteile beiseite legen und sich das einmal durchlesen oder erklären lassen. Die Basis einer Kamera ist wirklich einfach zu verstehen. Nur haben sich im Laufe der Zeit immer mehr Knöpfe auf die Fotoapparate gemogelt, und das schreckt viele ab. Die nutzen dann lieber den Automatikmodus, dann können sie nix falsch machen. Aber hey, Autos haben auch viele Knöpfe – und da glaubt keiner, dass alles in die Luft fliegt, nur weil man nicht Automatik, sondern mit Gangschaltung fährt
Als Ex-EDV-Heini schrecken mich tausend Knöpfe nicht ab, mein Problem ist eher, ich spiel einfach immer zu gern zu viel herum… aber um meine Fotos solls ja auch nicht gehen sondern um deine. Gedankenspiel: Du hast die Möglichkeit, als Pressefotograf zu arbeiten, immer mittendrin im Geschehen, rund um den Erdball oder aber ich sag jetzt mal als Fotograf mit künstlerischem Anspruch. Was wäre deines?
Definitiv letzteres. Pressefotograf wär mir irgendwie zu hektisch. Ich bin zwar ein sehr aktiver Mensch, der immer (viel zu) viel macht, aber ich brauch auch meine Ruhezone. Ob das jetzt das genüssliche Fotografieren, ein gutes Buch oder ein PC-Spiel ist… nee, “rund um den Erdball” schreckt mich da eher ab.
ok… Entscheidung 2: durchgestyltes Model oder lieber der Normalo von der Strasse als Motiv?
Normalo. Bin selbst eher der Jeans-T-Shirt-Typ und komm mit so aufgebrezelten Mädels einfach net klar. Habs einmal versucht – die hat so rumgezickt, ich hab ihr ihre Bilder in Form einer geschredderten CD-Rom gegeben. (Sie hat die Fotos später noch in brauchbarer Form bekommen, weil Deal ist Deal und ich hatte ihr die Bilder versprochen.)
Schade… ich dachte du könntest mir da ein paar vorstellen
Glaub mir, die willst du nicht kennenlernen
Welche Erfahrung hast du damit gemacht, Leute einfach auf der Strasse anzusprechen und zu knipsen. Hab da kürzlich was von dir gelesen bezüglich New York wenn ich mich nicht irre, kann mich jetzt aber nicht mehr genau erinnern…
Normalerweise spreche ich keine Leute an, bin nicht so der Menschenfotograf. Aber ja, in New York hab ich ne Ausnahme gemacht. Eines morgens kam mir die Idee, mitten im Big Apple Menschen mit einem small apple zu fotografieren. Also bin ich los, hab einen Apfel gekauft und die Leute angehauen. Bis auf drei haben alle mitgemacht, was ich erstaunlich finde. Noch erstaunlicher war nur die Begründung der drei Ablehnungen: “Wir dürfen nicht in Arbeitsklamotten fotografiert werden.” Gefragt hatte ich einen Müllmann und zwei Banker an der Wall Street.
Die Begründung ist tatsächlich strange. Banker und Arbeitsklamotten? Was fotografierst du denn am liebsten?
Mist, ich hab befürchtet, dass diese Frage kommt. Die kurze Antwort wäre “alles außer Menschen”. Ich habe keine Hauptmotive, aber mag vor allem diese Nah-dran-Fotos mit viel Bokeh. Kannst du nicht einfach ein paar Fotos von mir zeigen? Das ist nämlich echt schwer zu erklären…
Du musst gar nix erklären. Nur sagen worauf du Lust hast…
Hihi ok, Missverständnis. Das war eine offizielle Interview-Antwort
Kenn ich. Hab damit ja untertags die ganze Zeit zu tun… Jetzt mal keine offizielle Interview-Antwort, ok? Wie reagierst du auf Kritik?
Kommt drauf an… Theoretisch kenne ich den Wert von Kritik durchaus, und es hat mich auch schon einige Male echt weitergebracht. Praktisch kommt es drauf an, was du kritisiert. Wenn es um ein einzelnes Foto geht und konstruktiv vorgebracht ist, sage ich bestenfalls “du hast Recht” und schlimmstenfalls “danke, ich sehe es anders / muss drüber nachdenken”. Aber je allgemeiner die Kritik ist, je mehr sie sich auf mich selbst und nicht auf ein einzelnes Werk bezieht, desto härter ist es. Da kommt es drauf an, wer es wie sagt. Warum?
Weil ich es von mir auf der Bühne kenne. Da sagt der Verstand zwar auch: Hör zu Alter, das bringt dich weiter. Aber das Herz mag es halt trotzdem nicht so gerne.
*nickt* Ja, so ist es. Es ist halt immer ein bissel “du bist nicht perfekt” mit drin. Und auch, wenn wir das selbst wissen, ist es härter, das gesagt zu bekommen. Was spielst du denn?
Bei ner kleinen Bühne (wobei die Fischamender Spielleut es ja nicht gerne hören, eine kleine Bühne zu sein…) bei mir in der Ortschaft. Theater. Zwar alles nur rein amateurhaft, aber nett ist es trotzdem, wenn man in der Trafik auf seine letzte Rolle angesprochen wird. Schließlich mach ich das ja nicht des Geldes wegen (wobei, wenn Hollywood anruft…) sondern weil es ein verdammt geiles Gefühl ist zu wissen, dass da unten im Zuschauerraum 200 Menschen sitzen, die nur deshalb gekommen sind, weil sie dir zuhören wollen, weil du ihnen jetzt eine Geschichte erzählen darfst.
Klingt klasse! Wobei ich mich glaub ich nicht trauen würde… Respekt
Warum denn? Deine Fotos ins Netz stellen oder bei einer Ausstellung präsentieren ist doch auch nichts anderes. Im Endeffekt gibst du da doch viel mehr von dir selbst preis. Beim Theater kann ich mich immer darauf berufen, dass das ja nur die Rolle war, die ich gespielt habe. Fotos sind da doch viel persönlicher, viel privater.
Schon. Aber ich kann in Ruhe unbeobachtet beschließen, was ich zeigen will und wie. Aber auf der Bühne, da alles präsent haben, da gibt’s keine Bedenkzeit.
Stimmt schon, hat natürlich seine Vorteile. Aber dafür gibt es auf der Bühne eben keine Bedenkzeit. Du musst es einfach machen. Hast nur den einen Versuch (bis zur nächsten Vorstellung…). Kein Nachbearbeiten, kein zweiter Take. Sogesehen irgendwie fast wie analoge Fotografie. Was hältst du von der?
Sie ist eine alte Freundin. Mit ihr habe ich angefangen, mit Dunkelkammer und allem. Aber abgesehen von gelegentlichen Just-for-fun-Ausflügen mit meiner Lomo bin ich heute komplett digital. Das hat rein praktische Gründe: Jahrelang ist mein ganzes Taschengeld in die Filmentwicklung gegangen. Jetzt genieße ich es, ohne Reue alles mögliche auszuprobieren. Und die Sicherung und Onlinestellung ist auch einfacher. Und da ich nicht so der Technikfreak bin, bleib ich einfach bei meiner Kamera und konzentrier mich lieber auf die Bildgestaltung.
Letzte Frage: Du hast ja mal ein Kochbuch-Projekt gestartet, wie schaut es damit aktuell aus?
Jaaa damit geht es momentan deutlich voran, auch wenn man noch nicht viel sieht. Du bist hiermit der erste, der es offiziell erfährt: Da wird sich was tun! Mich hat es immer genervt, dass ich so lange brauchte, um etwa ein Dutzend Rezepte beisammen zu haben, damit wieder eine Folge online geht. Darum bastel ich grad an einem kleinen Nebenblog nur für Rezepte. Sowie eins gekocht ist, wird es dann dort als pdf zum kostenlosen Download online gehen.
Auch optisch hab ich einiges geändert, das jetzige Design meiner Rezept-pdfs gefällt mir nochmals um einiges besser. Logisch, dass ich auch die alten Rezepte überarbeitet habe und sie im neuen Design online stellen werde.
(und ich darf hier verraten – ich hab das neue Design und den kleinen Nebenblog nämlich auch schon zu sehen bekommen – wird sehr sehr fein, keine Sorge… und von mir sind ja auch zwei Rezepte vertreten, also unbedingt bei Bee vorbeischauen sobald sie es online stellt…)
Wie wäre es jetzt noch mit einem schönen Zitat zum Schluß?
Einen Schlusssatz soll ich dir geben, einen schönen noch dazu? Hmm… wie wäre es mit einer Lebensweisheit aus Afrika?
“Vertraue auf Gott, aber binde dein Kamel an”
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Unsre kleine Plauderei hat mir viel Spaß gemacht – danke
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PS: Ich hab weißen Pfeffer gefunden!
yeah
aber so ein Mohnkuchen mit weißem Pfeffer könnt ganz schön scharf werden…
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