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Ein (längst erbrachtes und dennoch überfälliges) Liebesbekenntnis

Auch wenn ich es aus meiner Sicht hinreichend hier und hier und hier dargestellt habe, die Umstände zwingen mich, es nochmals klarzustellen:

Ich bin Austria-Fan.

Anhänger. Kein fanatischer, eher schon der pragmatischen Art zugeordnet. Vielleicht gehe ich auch gar nicht als echter Fan durch, denn schließlich war ich jahrelang nicht mehr im Stadion um mir ein Ligaspiel anzuschauen. Ab und an im Praterstadion für ein Europacup-Match (die in meiner Anwesenheit ausnahmslos verloren gingen). Pragmatisch auch deswegen, weil ich international eh auch alle bejuble und es mir national immer noch lieber ist, Rapid gewinnt und wird Meister als irgendein “Provinz”-Verein.

Aber andererseits kann ich – bis heute – mit Fug und Recht und zumindest halbwegs plausibel behaupten, ich würde deswegen nicht mehr ins Stadion gehen, weil ich mir nicht die Erinnerung an den Schneckerl verderben mag. Denn tatsächlich war ich das letzte Mal bei einem Ligaspiel der Austria, als noch Herbert Prohaska in der Mannschaft stand (und spielte). Ab morgen muss ich mir dann eine andere Ausrede einfallen lassen, denn warum auch immer – die Gründe sind letztendlich ebenso vielfältig wie egal – schaue ich mir heute abend Austria gegen den LASK an. Mal sehen. Und entgegen den Mutmaßungen von so manchen übelmeinenden Menschen (wobei ich beim Hund ganz genau weiss, dass er es letztendlich national ähnlich wie ich sieht, nur eben mit etwas anderen Vorstellungen darüber, ob jetzt grün oder violett ganz oben stehen muss) habe ich auch Begleitung. Sogar zweifache.

Ach und weil für mich da auch immer ein bisserl Literatur dazugehört und es gar so schön ist, hier noch das großartige Gedicht, das Friedrich Torberg Matthias Sindelar widmete…

Er war ein Kind aus Favoriten
und hieß Matthias Sindelar.
Er stand auf grünem Platz inmitten,
weil er ein Mittelstürmer war

Er spielte Fußball, und er wußte
vom Leben außerdem nicht viel.
Er lebte, weil er leben mußte
vom Fußballspiel fürs Fußballspiel.

Er spielte Fußball wie kein zweiter,
er stak voll Witz und Phantasie.
Er spielte lässig, leicht und heiter,
er spielte stets, er kämpfte nie.

Er warf den blonden Schopf zur Seite,
ließ seinen Herrgott gütig sein,
und stürmte durch die grüne Weite
und manchmal bis ins Tor hinein.

Es jubelte die Hohe Warte,
der Prater und das Stadion,
wenn er den Gegner lächelnd narrte
und zog ihm flinken Laufs davon.

Bis eines Tages ein andrer Gegner
ihm jählings in die Quere trat,
ein fremd und furchtbar überlegener,
vor dem’s nicht Regel gab noch Rat.

Von einem einzigen harten Tritte
fand sich der Spieler Sindelar
verstoßen aus des Planes Mitte
weil das die neue Ordnung war.

Ein Weilchen stand er noch daneben,
bevor er abging und nachhaus.
Im Fußballspiel, ganz wie im Leben,
war’s mit der Wiener Schule aus.

Er war gewohnt zu kombinieren,
und kombinierte manchen Tag.
Sein Überblick ließ ihn erspüren,
daß seine Chance im Gashahn lag.

Das Tor, durch das er dann geschritten,
lag stumm und dunkel ganz und gar.
Er war ein Kind aus Favoriten
und hieß Mattihas Sindelar.

Austria Wien oder Warum ich trotzdem leide

Warum genau ich seit meiner Kindheit Austria Wien (oder Magna oder Memphis oder wie auch immer sie meinen Verein in den letzten Jahren genannt haben) Fan bin, weiß ich eigentlich gar nicht so genau. Es ist nicht so, dass ich ein fanatischer, strenggläubiger Anhänger bin, dazu fehlt mir die totale, absolute Begeisterung für Fußball, es interessiert mich, ich ärgere mich, wenn die Austria verliert, schau mir ab und an ein Match im Fernsehen an, im Europacup auch mal ein Match im Stadion, aber für ein normales Bundesligaspiel käme ich nie auf den Gedanken mir Karten zu besorgen. Ausserdem muss man meine Fanleidenschaft auch abstufen, ich bin vor allem in erster Linie Austria Wien Fan, dann Wien Fan und dann nix. Also immer noch besser, Rapid wird Meister als Salzburg, Graz, Innsbruck oder wer auch immer. Warum das so ist, keine Ahnung, schließlich bin ich ja nicht mal selbst Wiener, man kann mir also keinen Städterchauvinismus vorwerfen, es ist halt so. Und im Europacup helfe ich sowieso zu jedem österreichischen Verein.
Jetzt ist es – wenn man den österreichischen Fußball kennt, die letzten Jahre über mitverfolgt hat und sich auch ansonsten ein bisserl für Sport interessiert – natürlich so, daß man als Austria-Fan leiden können muß. Ständige Trainerwechsel (schon vor Stronach war die Austria nie ein Verein – zumindest nicht, solange ich es bewußt mitverfolge – der auf Kontinuität gesetzt hat), seit 2, 3 Jahren andauernde Wickel mit Sponsoren, immer die Unsicherheit im Hinterkopf, obs überhaupt und wenn in dieser Budgetgröße weitergehen kann, eine sagen wir mal sehr seltsame Transferpolitik (wobei Thomas Parits da zum Glück die letzten 1 1/2 Jahre etwas Ruhe reingebracht hat), kurzum, sich wirklich glücklich zurücklehnen und seinen Verein genießen kann ein Austria-Fan eigentlich nie für einen längeren Zeitraum. Aber, so ehrlich müssen wir sein, tief in unserem Inneren wollen wir Austria-Fans das glaube ich auch nicht. So ein bisserl raunzen gehört dazu, in der Hinsicht ist die Austria für mich immer der richtigere, zu Wien eigentlich mehr passende Verein als Rapid. Als Austria-Fan leidet man, freut sich zwar über Siege, aber nicht zu viel, schließlich weiß man ja, daß es bald wieder mit ziemlicher Sicherheit warum auch immer bergab gehen wird.
Aber so wie beim letzten Derby hat man sich als Austria-Fan nicht zu benehmen. Ich bin kein eingetragenes Austria-Mitglied, kann also nicht austreten aus Protest, würde ich auch nicht, ich würde auch nicht die Knallkörperwerfer zum Austritt zwingen, ne, wären die nämlich wirkliche Austria-Fans, dann hätten sie den Anstand, von selbst zu gehen. Haben sie aber nicht, weil als wirkliche Austria-Fans hätten sie schon mal gar nicht geworfen. Nur Austria-Fans, so dürfen die sich wirklich nicht mehr nennen.
Pointe dieser Geschichte, oder Zusammenfassung, oder grosse Lehre die man daraus ziehen kann: ein weiterer Grund für wahre Austria-Fans ein bisserl mehr zu leiden, ein bisserl mehr zu seufzen, wenn auf die Austria die Rede kommt. Und natürlich wünsch ich Georg Koch gute Besserung und hoffentlich geht’s ihm bald wieder besser und bleibt auch nix zurück.