1:17 oder Warum Unkas zwar verlor aber moralisch gewann

Wir müssen vor diesem Beitrag einmal zwei Dinge klar definieren, dabei bediene ich mich Wikipedia, wer mit der Defintion dort nicht einverstanden ist, hat Pech gehabt:

Ein Pyrrhussieg ist ein zu teuer erkaufter Erfolg. Im ursprünglichen Sinne geht der Sieger aus dem Konflikt ähnlich geschwächt hervor wie ein Besiegter und kann auf dem Sieg nicht aufbauen. Der Ausdruck geht auf König Pyrrhus von Epirus (319/318 – 272 v. Chr.) zurück. Dieser soll nach seinem Sieg über die Römer in der Schlacht bei Asculum (Süditalien) 279 v. Chr. einem Vertrauten gesagt haben: „Noch so ein Sieg, und wir sind verloren!“

Drama has a holistic way of teaching people. Whether it be in a play or by partaking in a role-play situation, participants learn through interactions with others — this allows participants to not only learn facts as they would from a book or in a classroom, but to enter the world of another person, to be allowed to explore how they feel about this situation or person, whether it be a war-torn town or the wolf in the Three Little Pigs. Every interaction with another character or situation gives a greater understanding of what is happening around us.

So weit so gut. Jetzt zur eigentlichen Geschichte. Die tatsächlich alle Zutaten für ein Drama hollywoodschen Ausmasses hat. Die Vorgeschichte: Ich werde monatelang gedrängt, endlich gesünder zu leben, mehr Sport zu treiben und fitter zu werden. Ich beginne, vor allem dank meiner beiden Mentalcoaches, zu laufen und schaffe im Frühjahr auf Anhieb einen 10 Kilometer Lauf in Fischamend. Damit hätten wir den ersten Höhepunkt. Anschließend lasse ich die Zügel ein bisschen schleifen, aber ich schaffe es, mit dem Rauchen aufzuhören. Ein Zwischenspiel quasi. Den Sommer über tut sich sportlich nicht allzuviel – unsere Sportgruppe, die zwischenzeitlich aus bis zu acht Personen bestanden hat, die sich durch den Prater quälten, schrumpft und schrumpft. Ende des Sommers dann ein erster Versuch des Comebacks – Halbmarathon auf Inlineskates mit Sabine. Wie wir – der letzte Rest unserer ach so stolzen Fischamender Spielleut Sportsektion – in Eisenstadt abgeschnitten haben, ist mittlerweile Legende (und lässt sich hier nachlesen). Ein Tiefpunkt im Drama ist erreicht, wäre in einem Hollywoodfilm wohl unterlegt von trauriger Musik, windgepeitscht wandert der Held durch dunkle Nacht, keine Morgenröte in Sicht, die Schatten kommen näher. Aber wie sagte Harvey Dent in „The Dark Knight“ so schön (zumindest sinngemäß, denn so genau kann ich mich nicht mehr erinnern, hab wohl den Abend zu effektiv zu verdrängen versucht, hier steht kryptisch angedeutet warum): „Es wird ein Morgen geben. Die Nacht ist dunkel, kein Morgengrauen in Sicht. Aber die Nacht ist immer dann am dunkelsten, kurz bevor die Sonne aufgeht.“

Und deshalb hab ich im September das Training wieder etwas verschärft, schließlich haben wir (Trixi, Binchen und meinereiner) uns ja schon lange ausgemacht, beim Enzersdorfer Herbstlauf anzutreten. Wieder über die 10 km Distanz. Also bin ich geradelt und geradelt und geradelt. Zum Laufen konnt ich mich alleine nicht überwinden und Binchen war im Stress und Trixi auf Urlaub. Und dann kam die SMS von Trixi. Sie könne leider nicht, müsse absagen für den Herbstlauf. Ok. Private Verpflichtung, wat muss dat muss. Aber zu zweit ist ja auch o.k., wir werden die Fischamender Spielleut schon gut vertreten. Und dann begann die letzte Woche und wenn die Nacht vor dem Morgengrauen tatsächlich am dunkelsten ist, dann hat das diese Woche auf jeden Fall gestimmt. Schweinekalt, regnerisch, grauslich. Dann wurde die Laufstrecke bekannt. Freiland, auf Feldwegen, bergauf, bergab. Es wurde immer dunkler.

Donnerstag und Freitag dann aber begann die Sonne zu scheinen, es wurde wärmer, die Hoffnung kam wieder zurück, ich wurde – fast zuversichtlich. Bis heute morgen. Beim Aufstehen der erste Blick aus dem Fenster. Regen. Wolken. Regen. Kalt. Um 10 Uhr ruf ich dann Binchen an. Und sie sagt ab. Und ich? Ich würd auch so gern absagen. Aber kann ich überhaupt absagen. Ne, kann ich nicht. Ich weiss zwar nicht warum, aber absagen geht gar nicht. Ich hab wohl zu laute Töne gespuckt (um ganz ehrlich zu sein, genau deswegen spuck ich ja so laute Töne, ich kenn mich ja, ich muss mir das Absagen von Haus aus so schwer wie möglich machen).

Also laufe ich. Als letzter Mohikaner. Unkas. Um 14.10 Uhr erfolgt der Start und es regnet. Die ersten drei Kilometer gehen ja noch. Dann gehts bergauf. Und es geht nicht mehr. Ich kann aber mittlerweile wirklich nicht mehr aufhören. Nicht weil ich den inneren Schweinehund überwinden muss. Nicht weil ich keinen Rückzieher machen will. Weil umdrehen und zurückgehen genauso weit ist wie die Strecke fertig laufen. Schöne Scheisse, oder? Unter einer Stunde zu laufen ist sowieso keine Thema mehr, ich will nur mehr ins Ziel kommen und um es kurz zu machen, nach 1 Stunde und 17 Minuten komme ich auch endlich ins Ziel. 10 Minuten langsamer als in Fischamend. Also eine Niederlage. Aber, und damit sind wir jetzt beim Pyrrhussieg (bzw. beim genauen Gegenteil von einem Pyrrhussieg), eine Niederlage, die gar nicht so bitter schmeckt. Denn, immerhin bin ich ins Ziel gekommen. Alleine, als einziger unserer Lauftruppe. Keine Trixi, die mich von hinten antreibt und kein Binchen, die mich mitzieht. Bei schweinekaltem Wetter, Gegenwind immer dann wenn es bergauf ging und schreienden Kniescheiben wenn es bergab ging. Trotzdem eine Niederlage, so ehrlich bin ich. Ich hab gesagt, ich will unter einer Stunde bleiben und dieses Ziel hab ich mehr als deutlich verfehlt. Aber, um auf Winners & Losers zurückzukommen, ich bin gestürzt und wieder aufgestanden und dieses Mal stimmt für mich was The Boss singt:

Remember a quitter never wins and a winner never quits.

Und deshalb werd ich heute gut schlafen (sofern ich es schaffe mich nicht zu bewegen, weil Bewegung kommt im Moment nicht so gut an bei meinen Muskeln…)

Ach und das Video passt jetzt natürlich nicht unbedingt, aber es gefällt mir und deshalb was solls

p.s. ich will nicht raunzen und das soll auch keine Ausrede oder sonstwas sein, aber die Organisation vom Lauf war eher bescheiden. Das es die ganze letzte Woche geregnet hat und die Feldwege daher mehr Gatsch als Weg waren, dafür können sie nichts. Aber das nur ein Tisch mit einer Person bei der Anmeldung war, war nicht optimal gelöst. Und das es auf der Strecke nichts zum Trinken gab, war auch noch o.k., aber Kilometermarkierungen wären schon schön gewesen, um sich ein bisschen orientieren zu können…

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