Bengalisches Feuer oder Mein fast schon unheimliches Talent für die wirklich guten Sitzplätze (Teil 2)

Wie hier beschrieben, neige ich zu einem gewissen Pech was die Sitzauswahl bei Ländermatches betrifft. Nicht, dass ich jetzt jedes Mal voll daneben lange, aber gegen Deutschland lernte ich, was es für ein ungutes Gefühl ist, wenn das halbe Stadion mit deutschem Akzent „Sieg“ schreit und gegen die Niederlande, wie es sich anfühlt, waschelnass zu werden. Auf dummes (dazu später mehr) und vor allem rechtes Fangeschrei steh ich sowieso nicht und wie es sich anfühlt, nassgeregnet zu werden, kannte ich schon vorher, also beides missbare Erlebnisse.

Die Europameisterschaft genoss ich daher nach diesen Spätwinter- bzw. Frühfrühlingerlebnissen in diversen Public Viewing Areas oder vor diversen Fernsehgeräten, ins Stadion zu gehen konnte mich erst wieder Österreich gegen Frankreich motivieren. Man lernt stets dazu, Sektor der Gegner bzw. neutralen gab es gegen die Franzosen sowieso nicht wirklich, die ganz erste Reihe viel auch flach, weil Zusatztribünen längst abgebaut waren und weil das Stadion sowieso ausverkauft war, nahm ich, was zu kriegen war. Dritter Rang, recht weit oben, das war mir klar. Wie weit oben sahen wir (wie immer, treuer Stadionbegleiter Onkel Richard), als wir Stufe um Stufe gen Himmel strebten. Stoppen durften wir dann erst knapp vor dem Stadiondach in der zweitobersten Reihe. Was jetzt für den groben Überblick übers Spielgeschehen hervorragend war. Für einen genaueren Blick hätte man schon eines Feldstechers bedurft. Aber bei einem 3:1 über den Vizeweltmeister ist einem das ziemlich egal und außerdem war die Stimmung sensationell und schwindelfrei bin ich doch sowieso. Nur schwer außer Atem nach einem Büfettbesuch  🙁

Deshalb, aus Sorge um bessere Sitzplätze für die nächste Partie, Mitte Oktober gegen Serbien, begann ich schon frühzeitig mit der Kartenorganisationsplanung. Mike und Binchen, die angekündigt hatten, mal mitgehen zu wollen, war dann das Spiel gegen Serbien zu wenig brisant (im Nachhinein eine sehr falsche und gleichzeitig genau richtige Entscheidung) aber karliii, nach mehr als 15 Jahren Stadionsperre, war dabei. Ich also ziehe los und checke Karten und natürlich ist der Österreichsektor bummvoll ausverkauft (kein Wunder, die Burschen haben grade Frankreich gebogen, die Litauen- und Faröerblamage lag da noch in weiter Ferne), daher was soll’s, nehmen wir halt den neutralen Sektor und eigentlich noch dazu ganz tolle Plätze, Rang 1 und 1. Reihe aber weil nicht mehr Zusatztribüne auf jeden Fall unter dem Dach, großartig.

Mit karliii also mit der U-Bahn nicht nur bis Schlachthausgasse gefahren, denn schließlich ist er ja schon ein bisschen betagter und deshalb erstmalig die Station Stadion besucht. Besonders schön hier waren die ersten 100 Meter außerhalb der Station Richtung Stadion, ich hab noch selten auf 100 Meter so viele Menschen Schulter an Schulter pinkeln sehen. Seltsamerweise wurden dann im Sektor A die Österreichfahnen und –farben immer weniger. Was jetzt vielleicht daran liegen könnte, dass mitten durch den Sektor A eine Linie gezogen war, links neutraler Sektor, rechts der Serbensektor. Eine gedachte Linie wohlgemerkt. Und jetzt ratet mal, wo unsere Plätze waren… Genau, an der Linie. Die Glatze rechts vom Richie war doch recht imposant. Dummerweise waren auch die Plätze links dieser Glatze, also unsere, bereits besetzt. Mit jugendlichen, leicht vermummten „Fans“. Meinereiner wollte mal vorsichtig aber bestimmt argumentieren, karliii kannte aber kein Pardon und vertrieb sie wortgewaltig.

Wir also auf unsere Plätze, freuen uns auf ein schönes Match, hoffen das Beste und bekommen… zuerst einmal gleich ein Tor. Und gleich nach dem Tor wird uns heiß. Nicht jetzt, weil die Stimmung schon jetzt am Kochen ist, das natürlich auch, aber in erster Linie liegt es an einem ganzen Haufen bengalischer Feuer die rechts und hinter uns entzündet werden. Beim zweiten Tor sind es dann schon noch mehr und kurz nach dem zweiten Tor prügeln sich zwei Serben durch unsere Sitzreihe. Beim dritten Tor fliegen noch mehr bengalische Feuer (wo die alle herkommen möchte ich wissen, zu meiner Zeit haben wir bei der Zutrittskontrolle nicht so geschlampt) und die Pöbeleien und Raufereien in den Sitzreihen rechts und hinter uns rücken bedenklich näher.

Deshalb – wissend das Marc Janko in Hälfte zwo ein Tor direkt vor uns schießen wird und dem Wüten darüber ausweichend wollen – flüchten wir aus dem Stadion. Wobei ich persönlich ja bis jetzt überzeugt bin, dass karliii nur dem Gedränge in der U-Bahn nach dem Match entgehen wollte.

Wie auch immer, auch beim vierten Versuch habe ich noch nicht die optimalen Sitzplätze gefunden, habe Österreich deutlich mehr Tore bekommen als schießen gesehen und festgestellt, dass Hardcorefußballfanatiker aller Länder, seien das jetzt Deutsche, Holländer oder auch Serben (Franzosen waren zu wenig im Stadion um das beurteilen zu können) schwer einen an der Waffel haben.

Gebe ich deshalb auf? Und was hat es mit meiner Aversion gegen dumme Schlachtgesänge und noch dümmere Stadionsprecher auf sich? Darüber demnächst mehr… (und wer jetzt genauer wissen will wann, lasst uns mal kurz die Umstände betrachten, Teil 1 erschien letztes Mittwoch, Teil 2 heute, auch wieder Mittwoch, na ratet mal wann Teil 3 erscheint…)

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