Ich darf dann mal wieder ein bisserl philosophisch werden… oder: Von Veränderungen, Frauen verstehen und Schokopudding

Ihr kennt das ja, ab und an verspürt meinereiner den Wunsch etwas philosophisch zu werden. Oder zumindest zu versuchen, philosophisch zu werden. Vom philosophisch sein wollen wir gar nicht reden. Falls es jemanden interessiert, meist ist dazu eine interessante Diskussion mit jemandem der Anlass und nur böse Zungen behaupten, bei diesem „jemand“ würde es sich fast immer um Frauen handeln. Schließlich handelt es sich dabei ausnahmslos immer um Frauen. Zumindest meistens. Dieses Mal nämlich nicht. Zumindest nicht ursächlich. Natürlich hab ich kürzlich ein sehr interessantes Gespräch mit I. zu zwar nicht genau diesem Thema geführt, allerdings ist mir im Zuge dessen dann wieder ein Artikel eingefallen, den ich vor einiger Zeit auf einem Blog gelesen habe. Ich verlinke ihn jetzt absichtlich nicht, weil er erstens sowieso ziemlich daneben war und zweitens ich den Blog an und für sich ganz in Ordnung finde, also mag ich jetzt nicht grad unbedingt mit dem meiner Meinung nach Ausrutscher zu ihm verlinken… Aber schon damals hab ich mir gedacht, dass müsste man doch eigentlich besser hinkriegen, der folgende Beitrag versucht es zumindest mal…

Worum es in dem Artikel ging? Nun, wenn ich mich recht erinnere (und ich versuche ihn sehr aktiv zu verdrängen), ums älter werden, darum, dass sich die Dinge ständig ändern, ändern müssen. Dass es an uns selbst liegt. Dass wir es sind, auf die es ankommt, dass wir dankbar sein müssen für jeden Tag. Und das es ganz ganz wichtig ist eine Konstante im Leben zu finden. Schon wissen, in diesem Rausch der ewig sich ändernden Dinge. Alles ganz o.k., aber so ganz dann auch wieder nicht. Denn wenn es nur an uns selbst liegt, wem müssen wir dann dankbar sein? Und ändern sich die Dinge wirklich ständig? Oder sind es nicht eher wir, die wir uns ändern. Unsere Sicht auf die Welt. Unsere Meinungen. Die Art und Weise, wie wir durchs Leben gehen. Wie wir die Welt wahrnehmen. Und Konstante im Leben? Nun, die einzige Konstante auf meinem Weg durch das Leben ist die Tatsache, dass ich vom Anbeginn der Zeit bis einschließlich heute auf Schokopudding stehe. Und morgen wird das auch noch so sein.

Aber ich komme leicht vom Thema ab. Weiter im Text. In dem Artikel ging es dann weiter auch noch darum, was denn der Schreiberling beim älter werden so alles gelernt hat. Und damit meine ich jetzt nicht, dass er drüber geschrieben hat, dass er Schifahren könne und sich selbst die Schuhe zubinden. Nö, nö, der ist durchaus so uneitel, froh zu sein, Frauen zu verstehen, romantisch zu sein und bei Liebesfilmen weinen zu können. Und versteht mich jetzt nicht falsch, nicht dass ich das nicht o.k. finden würde. Mich stösst nur auf, dass Typen die auf sowas rumreiten, meistens nicht ganz ehrlich zu sich selbst sind. Und mal abgesehen von Punkt 2 und 3… Frauen verstehen? Wie soll denn das gehen?

Aber wir wollen es ja anders versuchen, also schauen wir uns das Leben im Allgemeinen an. Betrachten wir es mal als Reise. Man ist getrieben von seinen Vorstellungen, Wünschen, Träumen, Gedanken. Hat sich möglicherweise sogar Ziele gesetzt (darüber hab ich ja schon mal philosophiert…). Oder aber lässt sich einfach nur so dahin treiben. Ist ein Getriebener oder lässt sich einfach dahingleiten. Geniesst das Leben. Wächst und lernt. Natürlich lernt er. Natürlich ist er stolz auf Veränderungen. Meinetwegen auch, dass er der Meinung ist, Frauen zu verstehen oder bei traurigen Filmen zu weinen (und ich geb es jetzt zu, ein für alle Mal, es gibt da nen Film, mir will jetzt blöderweise nicht einfallen welcher, da steckt mir jedes mal ein Kloß im Hals).

Aber betrachten wir das ganze doch mit mir als Beispiel: Ihr wisst (oder auch nicht), ich war verheiratet. Und ich war glücklich verheiratet, war zufrieden mit meinem Leben, mit den Dingen, die ich erreicht habe, die ich noch vor hatte zu erreichen, rundum glücklich. Reihenhaus, Job, Frau, nette Nachbarn (behaupten sie zumindest bis heute). Spießig? Möglicherweise. Aber trotzdem. Ich war zufrieden. Und jetzt? Wohnung, ausgesprochen spannender Job, aber nicht wirklich normal, zwar auch nette Nachbarn, aber hallo. Single. Und? Zufrieden. Glücklich. Nicht weniger als früher. Aber auch nicht mehr. Ich könnte jetzt heute tatsächlich nicht sagen, dass ich jetzt glücklicher bin als damals. Oder unglücklicher. Natürlich liegt das daran, dass ich in den letzten Jahren gewachsen bin. An mir selbst. An anderen. Mich verändert, dazugelernt habe. Aber – und natürlich kommt hier ein aber, alles hier hat auf  ein aber hingearbeitet – bedeutet das dann letztendlich nicht auch, dass ich mich verloren habe. Mein anderes Ich vor einigen Jahren war ja auch glücklich, zufrieden. Ich bin nicht mehr der, der ich war. Und das ist schön. Aber es war ja vorher auch nicht – sagen wir mal – unschön. Also habe ich zwar dazugelernt, möglicherweise sogar an Charakter gewonnen (und ja, ich weiß, es gibt nicht wenige, die sagen werden: an schlechtem) aber wozu. Meine Grundstimmung ist die gleiche geblieben. Und auch wenn ich mit meinem jetzigen Ich ganz zufrieden bin, ich war ja auch mit dem alten Ich nicht unzufrieden. Warum also habe ich es aufgegeben? Wozu?

Jetzt ist mir natürlich völlig klar und bewußt, dass dieser Beitrag mittlerweile absolut nonens und sinnlos ist. Wozu beschwere ich mich? Über wen? Oder was? Und beschwere ich mich überhaupt? Und hätte es eine Alternative gegeben? Und wie wird das weitergehen? Ich glaube – und mehr als das zu glauben vermag ich wirklich nicht – ich will damit einfach nur sagen, dass jede Veränderung, alles, was man lernt, erlebt, tut, erstrebt, verwirklicht, erreicht, dass all das gleichzeitig auch einen Verlust bedeutet. Und auch wenn das alles jetzt seltsam und paradox erscheinen mag, nüchtern betrachtet: Ich war glücklich, habe mich geändert, bin immer noch glücklich. Bleiben ein paar Fragen über, oder? Habe ich mich geändert, um glücklich bleiben zu können? Oder blieb ich glücklich, weil ich mich geändert habe? Und wäre ich glücklich geblieben, hätte ich mich nicht verändert? Oder jetzt der Hammer: Wenn Veränderung ein gleich bleiben bedeutet, bedeutet dann Stillstand Rückschritt? Ist das eine Konstante? Ich glaube nicht. Und wofür bin ich jetzt dankbar? Für das Verlieren? Oder die Veränderung, die sich ja nur in einem gleich bleibenden Zustand auswirkt, zumindest in meinem Fall (Gottseidank btw).

Ich versuche es also nochmal: Das  Leben ist eine Reise, die wir mit Vorstellungen, Gedanken, Träumen, Wünschen antreten. Man erreicht seine Ziele oder auch nicht, lebt… Ist glücklich und verliert am Ende vielleicht doch… sich selbst. Weil man nach der Reise nicht mehr der ist, der sie begonnen hat. Und gewinnt damit… sein Leben.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. oh, so schön hast du das gesagt/geschrieben vielleicht eher. ich komm grad von einem monat und viel zeit in mir zurück. eine reise ist aber ohnehin das ganze leben… eine aufregende.

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  5. „Life is what happens to you while you´re busy making other plans“
    John Winston Ono Lennon

    Lieber Clemens, auch ich kenne einige Spielarten des Lebens und gerade deswegen hat mich dein Text sehr berührt.

    Jeden Tag treffen wir Entscheidungen, wie es mit unserem Leben weitergehen soll oder kann. Bieg ich rechts ab an der Ampel oder links kann manchmal schon über Leben und Tod entscheiden – auch das habe ich (mit)erlebt.
    Mein heutiges ICH ist sicherlich ein anderes als das vor 10 Jahren. Dazwischen liegen viele Erfahrungen, Begegnungen, Herausforderungen, Adaptionen, aber genau das ist es, was das System Leben so spannend macht.
    Natürlich, ich hätte liebend gerne auf manche Erfahrungen verzichtet, dennoch haben sie mich zu dem gemacht, was ich heute bin, mir den Weg zu mir selbst – zu meinem jetzigen Selbst – geebnet.

    Das Schöne daran ist (und das ist jetzt quasi die gute Nachricht), dass ich es bin, die die allermeisten der ungezählten täglichen Entscheidungen trifft, ich hab es in der Hand.
    Klar gibt es auch Dinge, die ich nicht beeinflussen kann, aber deswegen darf ich nicht aufhören Verantwortung für mein Leben zu übernehmen.

    Ich wähle täglich aufs Neue meine Einstellung zu gewissen Dingen, wähle meine Reaktion, kann steuern, welchen Filter ich mit „reinhänge“. Heute mal wieder die rosa Brille oder doch die „das Glas ist halb leer“ Grundstimmung..
    Das gibt Kraft, das schafft Macht, allerdings auch ein hohes Maß an Verantwortung, wenn ich eben nicht darauf angewiesen bin, wie das „Leben so (mit mir) spielt“ sondern selbst wähle.

    Nach der Wahl ist vor der Wahl! Nutzen wir die Chance…

    und ich mein jetzt nicht ausschließlich kommenden Sonntag in Wien!

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