Irland 2012 – Day 5 to 7 (Von Tralee zu den Cliffs of Moher, über Doolin und Galway bis nach Connemara und rauf auf den Diamond Peek)

Hier also nun Teil 2 unseres Irland 2012-Reiseberichts. Den ersten Teil findet ihr hier, die restlichen Tage folgen auch noch, versprochen. Vorerst aber mal viel Vergnügen dabei, rauszufinden, ob Y. mal was anderes als Fish & Chips oder Burger gegessen hat, wie ich mich auf den Diamond Peek hochgeschleppt habe und ob wir auch zu Jogginghosenträgern wurden…

Day 5… Tralee, Abbeydorney, Ballyhogue, Cliffs of Moher, Doolin (11.10.)

Morgens Aufbruch Richtung Norden. In Tralee 20 Minuten rumgekurvt auf der Suche nach einem Kaffee für die wunderbarste. Nix gefunden. Wir sind einfach zu früh draußen für die Iren. Irre. In Abbeydorney bei einer alten, riesigen Kathedrale stehen geblieben. Ein paar Fotos müssen ja schon auch noch gemacht werden.

In Ballyhogue dann auf der Suche nach einem Kaffee – ja, wir suchten immer noch – quasi gestolpert über einen der wunderschönsten Strände, die ich jemals gesehen habe. Erinnerte sehr an St. Andrews. Einzig der Golfplatz im Hintergrund hat gefehlt. Ansonsten. Passte. Perfekt. Im Sommer sicher ein herrlicher Ort für einen Strandurlaub, jetzt im Herbst mehr als verschlafen. Der Strand selber leicht gebogen, sehr breit, gut 100 Meter, und sicher 2 Kilometer lang. Dahinter Dünen, Schilf. Noch weiter dahinter eine Wohnwagensiedlung. Vorne das Meer, der halbe Horizont weit offen, links im Hintergrund Berge der gegegenüberliegenden Halbinsel Dingle. Herrlich. Himmlisch. Wegen solcher Strände wollte ich nach Irland.

Dort dann tatsächlich auch ein offenes Kaffehaus gefunden. Für mich Rhabarber Crumble mit Cream. So lässst es sich leben. Warmer Rhabarber Crumble mit einer großen Portion Cream. Ich bleibe wohl hier.

Weiter Richtung Tarbert. Fähre genau pünktlich erwischt. Gut dass wir online vorgebucht hatten, Ticket kaufen wäre sich nicht mehr ausgegangen. War doch gut, die 10 Kilometer hinter dem Torftraktor herzuzuckeln. Wer mag schon auf eine Fähre warten… In kaum 20 Minuten Schifffahrt dann auch drüben im County Clare und von dort ging es direkt zu den Cliffs of Moher. Also quasi. Einen kleinen Zwischenstopp an einem herrlichen Strand haben wir schon noch machen müssen. Die wunderbaren Flecken in Irland beginnen zu verschwimmen.

Cliffs of Moher also… Erster Eindruck? Wow. Zweiter Eindruck? Lauter dumme Menschen. Der Wind stürmt, die – vor allem Amis – klettern über die Absperrungen drüber und schauen über den Abgrund raus. Ist ihr Leben. Also Y., alte Gutmenschin die, ereifert sich natürlich über so viel Dummheit. Die Klippen selber sind traumhaft. Keine Frage. In der Abendsonne, 200 Meter hoch, die Gischt spritzt bis rauf. Netter Effekt. Es regnet quasi von unten.

Doolin Hostel ein paar Kilometer hinter den Cliffs of Moher ein Traum. Eigenes Badezimmer. Super Zimmer. Spaziergang runter zum Hafen mit dem nächsten Highlight. Ausgesprochen kitschig. Wenn mal wer heiraten mag, ich empfehle, den Antrag dort unten bei Sonnenuntergang zu machen. Kommt sicher gut an… Pub mit traditioneller Pubbestellung an der Theke. ich Fish & Chips, Y. natürlich Burger. Hatte sie ja noch nicht den Urlaub. Hauptattraktion des Pubs eine achtköpfige Amifamilie. Y. schon leicht gereizt. Ich finde sie witzig.  Haben gute 30 Minuten nach dem perfekten Tisch gesucht, den dann trotzdem drei mal gewechselt. Die Alte der Truppe dann trotzdem nicht zufrieden. Aber wenigstens haben sie sich dann noch schnell den Tisch und das Besteck desinfiziert…

Day 6… Burren, Galway, Clifden (12.10.)

Nochmal runter zum Hafen von Doolin und wunderschöne Bilder der Küste in der Morgensonne gemacht. Y. hinters Steuer und ab Richtung Galway. Wir wissen noch nicht, ob wir in Galway bleiben wollen über nacht oder ob wir gleich weiterfahren nach Connemara.

Freitag abend im Pub. Livemusik. Warten auf das Match. Bis dahin… was war heute noch…

Quer durch den Burren Richtung Galway. Burren erinnert an Winnetou. Ist schließlich genauso wie Ex-Jugoslawien eine Karstlandschaft. Plus geile Meeresküste natürlich. Galway selber dann halt eine Stadt. Nett. Alt. Viele Leute unterwegs. Junge Menschen. Klar. Unistadt halt. Aber wieso tragen 75 % aller jungen Irinnen (und fast 100 % der Ami-Touristinnen) eine Jogginghose? Gehen die alle nachher noch laufen? Die Amis zumindest schauen nicht so aus. Wie auch immer – Galway ist, noch dazu beginnt es zu schütten, nicht so wirklich unseres. Wir wollen Landschaft. Also weiter nach Connemara rein. Kleiner Stopp in einem Supermarkt um die Essensvorräte aufzufüllen. Bei der Quiet Man Brücke (you know, John Waye…) dann herrliche selbstgemachte Sandwiches verzehrt.

Connemara selbst eine traumhafte Landschaft. Wieder ganz anders als das bisherige Irland. Auch wieder, wie der Burren, an Western  erinnernd, aber jetzt eher in Richtung „Der mit dem Wolf tanzt“, „Silverado“, „Open Range“. Auf jeden Fall traumhaft. Weite Ebenen, Berge, Wiesen, Seen.

In Clifden beschlossen, Quartier zu beziehen und im Town Hostel angefragt. Von dort weiter geschickt zu einem B&B. Da dann aber 30 Minuten gewartet, weil der Besitzer wohl grad auswärts war. Also weiter auf eigene Faust gesucht. Und gleich ums Eck fündig geworden. Nettes B&B, guter Preis, gemütliches Zimmer und weil der Typ  so nett und toll die Umgebung beschrieben hat, haben wir kurzerhand beschlossen, gleich zwei Nächte zu bleiben.

Und jetzt eben im Pub. Ich geiles Irish Stew, Y. noch geilere Fish & Chips. Und damit hat sie den 6. Tag hintereinander entweder Fish & Chips oder Burger. Auswahl at your greatest. Im Pub geile Livemusik mit Geige und Gitarre und Bodrun. Irische Trommel. Mal schauen wie die klingt.

Y. bestellt übrigens grad ihren ersten Whiskey. Bisher ja schwer verkühlt gewesen und mit Medikamenten intus unterwegs. Von daher. Und natürlich ereifert sie sich darüber, dass der Barkeeper Eis reingeben wollte in ihr Glas. Green Ore. 6,1 € das Glas. Da kommt kein Eis rein. Ach und die Musiker hier sind übrigens mehrfache All-Ireland-Champions im Banjo bzw Geige spielen. Clifden rockt.

Ach und jetzt fängt natürlich auch noch ein alter Ire an zu tanzen. Bin gespannt, wann sich der erste Kobold blicken lässt. Oder Y. mittanzt.

Nachtrag: Irland hat übrigens 1:6 gegen Deutschland verloren. Daheim. Also in Dublin. Tjo, hier reagiert keiner bestürzt, wussten doch sowieso alle schon vorher.

Day 7… Connemara National Park (13.10.)

Zweiter Tag in Clifden. Geniales irisches Frühstück. Nachdem ich einen großen Teller Cornflakes hatte. Sollte sich aber auszahlen, die Kraft werde ich noch gut brauchen können. Nach dem Essen noch eine gute Stunde mit unserem B&B-Wirten geplaudert und einfach alles über sein Leben erfahren. Über seine Jahre in New York, seine Urlaubserlebnisse in Spanien, seine Ryan Air-Übergepäck-Stories. Welche Nationalitäten er in seinem B&B mag und welche nicht und warum und warum nicht. Was er über MP3-Player und In-Ear-Kopfhörer denkt. Und. Und. Und. Und. Y. hat natürlich begeistert mitgeplaudert und wenn sein Redefluss mal ein wenig gestockt ist, hat Y. die eine oder andere Anekdote eingeworfen. und ganz ehrlich? Deswegen liebe ich alter Menschenfeind sie ja. Muss ich wenigstens nicht mehr freundlich sein und mit anderen reden und meine Neugierde wird aber trotzdem befriedigt.

Nach Frühstück und Plauderei rein ins Auto und ab zur Skyroad. Geht von Clifden rund um die Halbinsel Richtung Letterfrack. Und wirklich Skyroad. Viel Meer, noch mehr Himmel.

Im Connemara National Park in Letterfrack dann kurzentschlossen tatsächlich die empfohlene Route bis rauf auf den Diamond Peek gemacht. Hätte ich doch nur kurz drüber nachgedacht. Oder bergauf gesehen. Der Diamond Peek nämlich ist zwar nur gute 490 Meter hoch. Aber wenn man von quasi Meereshöhe startet hat die Höhe trotzdem was. Wurde nämlich nach fast gemütlichem Start auf einem breiten, gut ausgebauten Wanderweg dann fast zur hochalpinen Erfahrung. Die letzten 1,5 Kilometer auf den Gipfel rauf gingen quasi steil bergauf durch ein Steinfeld ähnlich der K2-Südflanke, meine Lunge pfiff aus dem letzten Loch, Y. lachte, ich schwitzte. Von daher ich voll im Training wie eine 1860er Dampflok rauf auf den Berg, Y. locker flockig von Stein zu Stein springend wie eine Gemse. Oder Gämse. Hinterherjapsend dann tatsächlich irgendwann oben am Gipfel angekommen. Und was für eine herrliche Aussicht. Jeder einzelne Schweißtropfen war es wert. Vor uns das Meer so breit und weit wie der Horizont. Hinter uns die 12 Summits von Connemara. Links unter uns die Kylemore Abbey, eine alte Klosterschule für frustrierte irische Nonnen. Frustriert wahrscheinlich deswegen, weil sie mitten in dieser herrlichen Landschaft hinter dicken Klostermaurern eingesperrt sind. Und ich darf mich auf einen Berg hochschleppen.

Runter nicht ganz so anstrengend, die Knie haben trotzdem ein Loblied gepriesen, aber die Landschaft… eh schon wissen… entschädigt für vieles.

Retour im B&B Y. auf Pullovereinkaufstour und ein kleines Nickerchen. Hab ich mir auch verdient. Und jetzt warten wir in Guys Bar aufs Essen. Vier mal Besteck haben wir schon bekommen. Aber vielleicht verwirren die Kellner auch einfach die ganzen Jogginghosenträgerinnen. Wir sind mit Jeans und Pullover (ja, Y. hat natürlich zugeschlagen) wirklich overdressed. Und sogar ich senke hier den Gewichtsschnitt. Und das will was heißen. Amis.

Das Essen btw wie schon die ganze Zeit hervorragend. Selten so köstliche Burger gegessen, die Fish & Chips sowieso frisch und fast noch im Meer zappelnd. Und das Irish Stew ausgesprochen lecker.

— Fortsetzung folgt —

bereits erschienen in der Reihe „Irland 2012“

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Irland 2012 – Day 13 to 15 (Volles Dublin, getrennte Betten, Guinness und ein Häfen-Aufenthalt) : off the record