Irland 2012 – Day 8 to 12 (Über Westport rauf in den Norden, Aussteigeridylle am Silver Strand, 6 Whisky in der Brennerei und schreiende Kinder unter der Erde)

Teil 3 des Irland 2012-Reiseberichts. Den ersten Teil findet ihr hier, Teil 2 hier. Heute geht es um herrliche Klippen, wunderbare Sandstrände, den einsamen Norden, Blumentöpfe auf Yeats Grab und mühsame Kinder in okkulten Stätten  und ihr könnt raus finden ob wir uns an alte keltische Riten gehalten haben, um die Gören ruhig zu stellen und wie viele Whisky Y. verträgt. In der vierten und letzten Folge dann, wie und ob uns Dublin gefallen hat und warum wir besser… wobei, nein, wird noch nicht verraten…

Day 8… Westport, Castlebar, Sligo, Donegal (14.10.)

Kräftiges Frühstück, noch ein kleiner Tipp für die Strecke und ab Richtung Westport. Dort wollen wir entscheiden, ob es Richtung Achill Island oder Richtung Sligo gehen soll.

Donegal. Castle Bar Restaurant, 10 Stunden später. Man merkt, es wurde weder noch. Wobei, wenn dann eher Sligo. Schließlich haben wir Sligo zumindest angesteuert, sind dann aber doch noch weiter Richtung Norden und Donegal gefahren.

Dazu haben wir das County Mayo durchquert. Wieder ganz andere Landschaft. Anders, aber genauso eindrucksvoll. Sligo dann nur am Rande gestreift wie erwähnt, wir waren noch fit, wollten noch mehr Kilometer fressen. Also eigentlich ich. Y. am Beifahrersitz hat großteils geschlafen. Kurz vor Sligo hab ich sie dann aber doch noch mal geweckt, draußen, an der Küste, an einem weiteren gottverlassenen Strand, nur eine Bar, die im Sommer wahrscheinlich voll ist. Jetzt alles trostlos und verlassen, der Hund des Hauses war schon dermaßen ausgehungert, dass er mich um ein Erdnußbutterbrot angeschnorrt hat. Hab ich natürlich genüßlich selbst verspeist. Teilen ist nicht.

In Donegal ein nettes B&B etwas außerhalb gefunden und bezogen. Riesen Zimmer, eigenes Bad, Fernseher, Wlan. Wir werden wohl gleich 2 Tage bleiben und die Umgebung von hier aus erkunden. Ganz in den Norden rauf würde sowieso ein Stress werden. Und zum letzten Mal hat mich Irland sowieso nicht gesehen.

Im eingangs erwähnten Old Castle Bar Restaurant btw wie schon den gesamten Urlaub über hervorragend gegessen. Ich wieder mal Fish & Chips. Bisher immer mit Cod, heute erstmals Hancock. Auch sehr lecker. Y. war kulinarisch mutig und hat heute mal ausnahmsweise weder Burger noch Fisch gewählt, auch ein Stew war ihr heute nicht recht, nein, sie bestellte ein, zugegebenermaßen leckeres, Steak Sandwich.

Day 9… Slieve League, Silver Strand, Glengesh Pass, Waterbus Donegal Harbour Tour (15.10.)

Morgens Irish Breakfast und ein paar Tipps für Donegal County und dann raus auf die Strasse. Richtung Slieve League. Die höchsten Klippen Europas. Viel weniger erschlossen als Cliffs of Moher. Kein Wunder, war doch ein netter Spaziergang von guten 4 Kilometer vom Parkplatz. Die Klippen selbst vielleicht nicht ganz so dramatisch wie die Moher’schen, nicht ganz so rau, brutal. Aber dennoch beeindruckend. Klar auch. Bei über 600 Metern wirken sie auch irgendwie kleiner, weiter weg. Für mich sind sie majestätischer, ruhiger. Natürlich viel größer. Dadurch auch in den Dimensionen unscheinbarer vielleicht. Wie gesagt, auf über 600 Meter peitscht eben kein Meer hoch, wirkt die Brandung kleiner. Hört die Brandung kaum.

Weiter Richtung Silver Strand. Empfehlung unserer Wirtin. Soll wohl ein wunderschöner Strand sein. Sandstrand natürlich. Und ja, ist er. Was für einer. Ganz draußen im Nirgendwo, über kilometerlange Single Lane Roads, kein Telefonempfang, und dann ist irgendwann tatsächlich das Land aus, nur mehr eine sichelförmige Bucht, links und rechts hohe, steile Klippen und ein traumhafter Sandstrand. Runter geht es nur über eine steile Treppe. Am Rand liegt ein totes Schaf. Der Strand dann ein Traum. Wir dort, als grade die Flut einsetzt. Herrlich.

Über den Glengesh Pass retour nach Donegal. Dort dann Y.s Höhepunkt des heutigen Tages. Eine Fahrt mit den Waterbus Tours. Hafenfähre in Donegal. Ich habe ihr ja gleich gesagt, dass das eher eine Pensionistenveranstaltung wird, aber, sie will, also machen wir das. Schon beim Entern des Schiffes schläft ihr das Gesicht ein. Live-Unterhalter, wir und 30 deutsche Pensionisten. Alptraum für Y. Wir reden nur mehr Englisch, damit die nicht merken, woher wir kommen. Ich finde es super. Auf dem Rückweg fängt der Reiseführer dann an, seine Gitarre auszupacken und irische Volkslieder zu klampfen. Die Pensionisten saufen Irish Coffee und werden lustig. Was für ein wunderbarer Ausklang für einen phantastischen Tag.

 Day 10… Yeats Grab, Athlone, Glenmacnoise, Tullamore (16.10.)

Nach dem – irischen – Frühstück ab ins Auto, retour Richtung Sligo. Kurz in Drumcliff gehalten, am Grab von Yeats eine alte Irin beobachtet wie sie reihenweise Blumentöpfe aus dem Auto geworfen hat. Tja, wer mag…

Weiter bis Athlone, über den Shannon drüber und nach Glenmacnoise. 1500 Jahre altes Kloster. Y. ein bisserl genervt von den ganzen religiösen Eiferern, die natürlich an so einem Ort gehäufter auftreten. Außerdem war sie hinter dem Steuer und auch schon hungrig. Also Sandwiches. Köstlich und selbstgemacht.

Ich mag ja so Kloster. Also eigentlich ist mir das Kloster ziemlich egal, aber die Plätze, an denen Mönche Kloster errichten, haben meistens etwas. Nicht umsonst bauen die Mönche dort ein Kloster hin… Und ein bisserl faszinierend ist es schon, auf einem 1500 Jahre alten Pilgerpfad spazieren zu gehen. Zwischen 1500 Jahren alten Grabsteinen und Hochkreuzen.

Danach kurzentschlossen entschieden, heute noch bis nach Tullamore zu fahren. Und dort dann das wahre Abenteuer. Irgendwie wollten wir unser Quartier nicht finden. Also nicht, dass wir fix eines gebucht hätten. Nur im Netz eines ausgeguckt. Aber nicht wirklich gemerkt, wie und wo. Und wie auch nicht. Also zuerst mal Touri-Info gesucht. Stattdessen in einer Drogenberatungsstelle gelandet. Die hatten von nichts einen blassen Tau. Also die Tullamore Dew Whisky Brennerei gesucht, vielleicht können die uns ja weiterhelfen. Dabei zuerst mal in eine Arztpraxis reingekracht. Was ist die auch direkt neben der Brennerei. In der Brennerei auf die ganz falsche Fährte geschickt worden. Also in irgendein B&B rein. War aber keiner daheim. Also weiter. Nur wohin? Klar, zum großen M. Dort gibt es Wlan, und wir können das eine Quartier noch mal raussuchen. Und siehe da, wir sind schon mindestens fünf mal dran vorbei gefahren. Tjo. Finally alles gut.

Abends im (leeren) Pub unter unserem Hostel mit einer ganz frisch gefangenen Kellnerin Irland vs. Faröer geguckt. Morgen dann steht die Tullamore Dew Brennerei auf dem Programm. Wo die ist, wissen wir ja jetzt schon mal…

 Day 11… Tullamore, Devlin, Navan (17.10.)

Das das Hostel kein Frühstück hat, früh raus um im verregneten Tullamore eine Bakery zu finden. 8.30 Uhr war wohl zu früh. Gute Stunde im Regen herumgeirrt, bis ich endlich was offenes gefunden habe. Das Leben fängt hier halt wirklich viel später an.

Punkt 11 in der Brennerei gestellt und rein in die Führung. Und alle Achtung, wirklich sehr gut gemacht. Informativ, unterhaltsam, spannend, viel Multimedia, zum Abschluss eine genial aufgezogene Verkostung, Y. kippt auch meinen Whisky.

Weiter Richtung Navan, kurzer Stopp in Devlin, der Hunger ruft. Also rein ins Devlin Inn, gemütliches Torffeuer lodert, die schweren Holztische biegen sich unter Fish & Chips & Steak Sandwich, so lässt es sich leben.

Nettes Quartier in Mooretown, etwas außerhalb von Navan. Nach einem kleinen Schläfchen, schließlich regnet es grade Schafe, abends dann noch mal rein nach Navan ins Diamond Cinema Center. Looper. Guter Film. Willis ironisch und Lewitt wird sowieso immer besser.

 Day 12… Newgrange (18.10.)

Leckeres irisches Frühstück, erst jetzt so richtig bemerkt, wie kitschig unser B&B ist. Aber nett. B&B überhaupt. Alle super, alle sauber, alle freundlich, alle immens bemüht. Ist quasi, als hätte man seinen persönlichen Butler. Darf ich noch etwas Tee nachschenken Sir?

Wieder mit Tourratschlägen versehen, ab nach Newgrange. Steinzeitfundstätte. Also mehrere. Newgrange, Howth, Knowth. Lauter riesige Erdhügel mit Grabkammern drinne. Wobei, so genau weiß man das gar nicht. Also ob es Grabkammern waren. Auf jeden Fall sehr viele Touristen. Waren ein bisserl mühsam. Vielleicht sind wir auch schon keine Menschen mehr gewöhnt. War doch ziemlich menschenleer das Programm im Norden. Aber die Amifamilie mit den brüllenden Kleinkindern in der Grabkammer war wirklich nervend. Könnten die Grabkammern nicht auch Ritualmordstellen sein? Ich mein ja nur, der Kinder wegen. Also schreien würden sie dann nicht mehr…

In Knowth, man pendelt zwischen den Standorten mit einem Bus, dann eine deutsche Familie. Sie ein Gorilla, der Sohn ein Dummkopf, die Tochter und der Vater, naja… normal waren die auch nicht gerade…

Retour im B&B dann finales Kofferpacken, schließlich geht es morgen nach Dublin, Auto retour. Und die letzten Tage haben aus den Reisetaschen gelebt, rein getan haben wir nichts mehr… Aber weil die wunderbarste die wunderbarste ist hat sie das wunderbar erledigt. Und weil sie dann noch Energie hatte, hat sie schnell geyoutubet, wie genau eine Fußmassage geht und mir einen gegönnt. Hab da so eine schmerzende Stelle, wohl vom vielen rum rennen.

Abends schickes Landpub, Y. zum ersten mal seit 2 Wochen wieder mal Reis gegessen und dementsprechend glücklich. Ich -zur Abwechslung – Fish & Chips.

— Fortsetzung folgt —

bereits erschienen in der Reihe “Irland 2012″

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Irland 2012 – Day 13 to 15 (Volles Dublin, getrennte Betten, Guinness und ein Häfen-Aufenthalt) | off the record