Lesezirkel #1: Der Versuch einer Rezension

Rezension. Wie das schon klingt. Bei mir klingeln da sofort alle Schulglocken. Schließlich war ich ja damals durchaus so verquer, zwar nicht unbedingt zu den Lieblingsschülern unserer Lehrer zu gehören, das Schreiben von Buchbesprechungen hat mir allerdings immer Spaß gemacht. Und ich mag mir jetzt nicht selbst auf die Schulter klopfen (da sei der Sonnenbrandgott davor), aber meine Deutschreferate sind Legende. Aber Rezension. Und dann noch dazu zu diesem Buch.

Ach sollte ich vielleicht auch einmal erwähnen – für die, die es nicht so mitverfolgt haben

Marcel hat zum monatlichen Lesezirkel aufgerufen und keine Ahnung, wieviele tatsächlich folgten, ich hab nach kurzer Grübelphase mitgelesen. Tom Wolfes Electric Kool-Aid Acid Test. Mittlerweile läuft ja schon #2 des Lesezirkels, im Juli wird „Die Eleganz des Igels“ gelesen, hab ich vorher noch nie davon gehört, aber das ist ja grade das mich so faszinierende an der Idee des Lesezirkels. Ein Haufen Menschen lesen ein Buch, ok. Ein Haufen Menschen schlagen neue Bücher vor, die man vielleicht kennt, unter Umständen schon ewig lesen möchte oder aber eben noch nicht mal am Radar hatte. Herrlich.

Aber zurück zur #1: Wie das jetzt anstellen mit einer Rezension. Früher, klar. Kurze Beschreibung des Inhalts, was will der Autor sagen, persönliche Meinung. Heute? Wozu eine Beschreibung, google doch selbst. Abgesehen davon, ich versuchs mal kurz und ihr versteht, warum es nicht machbar ist. Das Buch handelt von Ken Kesey und seinen Merry Prankster, von ihren Reisen im Bus, von Konzerten, Auftritten, Erlebnissen mit den Hell’s Angels, mit Polizisten, Drogen, Happenings. Es erzählt, mehr oder auch weniger chronologisch, ja wie soll ich es sagen, es erzählt die Zeit. Tom Wolfe schreibt sich typisch New Journalism-mässig einfach durch. Reiht Satz an Wort, lässt die Geschichte einfach dahintreiben. Und jetzt weiss ich natürlich, dass gerade so ein einfacher Schreibstil, der viel mehr einer gesprochenen Erzählung den einem durchdachtem und durchfeiltem Stil entspricht, besonders schwierig ist, besonderer Bearbeitung bedarf. Dass sich so ein Stil eben nicht einfach so hinrotzen lässt, schon gar nicht knappe 600 Seiten lang. Deshalb ad 1 umso mehr Respekt und ad 2 eine Inhaltsangabe nicht wirklich sinnvoll möglich. Aber damit sind wir auch schon mitten drinnen in der Besprechung, Rezension. Schließlich ist der Schreibstil von Wolfe in diesem Buch (ich kenn 2 andere, da ist er zwar ähnlich, aber doch ganz anders) sehr speziell. Man muss sich drauf einlassen. Sich mitreissen lassen. Gegen den Schreibfluss wehren geht nicht. Entweder schwimmst du oder nicht. Ich hab das Buch ein paar Tage weggelegt und dann echte Probleme gehabt, wieder reinzukippen. Nach 40, 50 Seiten gings wieder, war ich wieder drinnen, aber besser wäre es gewesen, das Buch in einem Rutsch zu verschlingen. Woran das liegt?

Nun, ich sag mal ins Blaue hinein, ich mag zwar den New Journalism und seine noch intensivere Spielart den Gonzo Journalism, aber hier laviert Wolfe so ein bisserl herum, ist mal mittendrin im Geschehen als selbst die Geschichte weitertreibender und dann wieder steht er nur daneben und beobachtet und notiert. Wobei „nur“ natürlich falsch klingt, ist es aber gar nicht… im Grunde ist „nur“ wohl das einzige Wort, das dieses Buch eben nicht beschreibt, nichts ist hier „nur“. Mehr mag ich dazu genau genommen gar nicht sagen. Hat Spaß gemacht.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • stimmt, dein Bild von der mitreissenden Strömung gefällt mir sehr gut, passt zu meiner Meinung gut dazu, weil, in nen reissenden Fluss reinspringen überlege ich mir in meinem Alter mittlerweile 3x

  1. Strömung, Fluß, fließen, schwimmen, mitreißen lassen. Hört sich so wahnsinnig gut an bei diesen Temperaturen!

  2. Pingback: off the record – begegnen wir der zeit wie sie uns sucht | off the record

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