Ode an Kleinneusiedl mit ein paar (liebevollen) Seitenhieben

Ich bin ja kürzlich in das Dorf meiner Kindheit und Jugend zurück gezogen. Kleinneusiedl. Wobei, wenn dieser Beitrag liebevoll aber doch ehrlich sein soll, eine Kontroverse beginnt ja bereits bei der Schreibweise. Kleinneusiedl steht nämlich auf der Ortstafel. Klein-Neusiedl schreibt sich aber die Gemeindewebsite und Klein-Neusiedl findet sich auch auf Wikipedia. ASK Kleinneusiedl wiederum nennt sich der örtliche Fussballverein. Und auch die Feuerwehr und der Musikverein schreiben sich ohne Bindestrich. Die große kleine Politik? Gespalten: Die SPÖ schreibt sich zusammen und ohne Bindestrich, die ÖVP bevorzugt die Variante mit Bindestrich. Und ich? Ich halt es, ganz ehrlich, mit der Ortstafel. Sieht man ja auch schon oben in der Headline…

Aber zurück zum eigentlichen. Oder eher: Beginnen wir mit dem eigentlichen. Warum dieser Beitrag? Nun, bei den ersten Spaziergängen durch Kleinneusiedl ist mir wieder aufgefallen, wieviele Häuser in Kleinneusiedl, nun, verfallen trifft es nicht, aber zumindest unbewohnt ausschauen. Und mal ganz ehrlich: Ein kurzes demographischer Blick lässt tatsächlich düsteres erahnen: 2001 hatte Kleinneusiedl 854 Einwohner, 1991 waren es noch 864, 1981 915 und 1971 1011. Steter Rückgang also. Und wenn man etwas auf den Straßen unterwegs ist, merkt man auch warum. Lauter, oder zumindest vornehmlich, alte Menschen. Und dementsprechend auch lauter alte Gebäude? Stirbt Kleinneusiedl aus? Verrottet es langsam? Auf den zweiten Blick? Nein.

Denn den braucht es. Die alten, verlassenen, verfallenden Gebäude? Waren es immer schon. Zumindest auch schon während meiner Kindheit und die ist mittlerweile auch schon wieder über 20 Jahre her… Die waren damals schon alt und verfallen und „lost places“. Und schon damals gab es irgendwie nur alte Menschen in Kleinneusiedl. Zumindest hat es damals für mich als Volksschüler so gewirkt. Aber ist ja auch klar. Wer sonst außer Schülern oder alten Menschen soll unter der Woche am Nachmittag unterwegs sein?

Denn tatsächlich war und ist Kleinneusiedl schon immer anders. Vielleicht ein bisschen bedächtiger, gemütlicher als die Gemeinden rundherum. Man könnte aber auch sagen: Überlegter. Denn das schönste neue Volksheim: In Kleinneusiedl. Den besten Fussballverein in der Umgebung: Der aus Kleinneusiedl. Die zwei hipsten Hobby-Kickerl-Partien? Nun, der Southpark FC ist hip und Hobby, die Jungs vom FC Kurt El können auf jeden Fall Fussball spielen. Und auch sonst. Die Straßen in Kleinneusiedl? Saniert und in einem top Zustand. Kommunale Angebote wie Sammelzentrum und ähnliches? Super und die Mitarbeiter dort wirklich freundlich und hilfsbereit. Aber ist ja auch klar. In einer knapp 850-Seelen-Gemeinde kennt eben jeder jeden und wenn man sich sowieso ständig über den Weg laufen kann, kommt man mit einem Lächeln eben weiter als mit Granteln.

Bleiben also eigentlich als Zeichen des Niedergangs nur mehr die alten Häuser… Und die sind aber genau genommen gar nicht so sehr das Ortsbild verschandelnd. Ganz im Gegenteil. Machen sie doch die Straßen und Wege erst so richtig spannend, interessant. Die alte Papierfabrik? Ein Wunderland zum schauen und entdecken. Die alten Häuser? Erzählen, wenn man sich die Zeit nimmt hinzuschauen, jedes eine eigene Geschichte.

Und deshalb mag ich mir jetzt mit meiner Rückkehr nach Kleinneusiedl auch die Zeit nehmen und zuhören. Hinschauen. Wie? In dem ich eine „Lost Places“-Photoserie starte. Über all die unentdeckten, vergessenen, wunderschönen Flecken meines kleinen Heimatdorfes.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Kleinneusiedl lebt! | Clemens Schleinzer