Warum mir bei den sogenannten christlichen Werten besonders übel wird

Grundsätzlich: Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen könnte jeden Tag.

Besonders übel wird mir aber immer, wenn das arme Abendland in Gefahr gesehen wird, wenn unsere christlichen Werte bedroht sind, wenn wir , wieder einmal, drohen unterzugehen. Warum „wir“ immer in Gefahr sind, und die rechten Deppen halt gerne mit Angst- und Panikmacherei arbeiten, ist mir eh völlig klar. Stört mich natürlich, wundert mich aber nicht mehr weiter.

Ich verstehe auch, warum gerade die jetzt die armen österreichischen Obdachlosen liebherzen und -kosen, die ansonsten ihr bisheriges Leben ein Bettelverbot gefordert haben. Also verstehen im Sinne von: Es ist mir schon klar, warum die Konsorten das jetzt fordern.

Weil, was sollen sie auch sonst schon fordern? So viel „Anstand“, dass sie gleich das fordern, was sich diese rechten Deppen alle insgeheim denken und wünschen, haben sie ja nicht mal. Dann könnten sie ja schließlich nicht mehr erstaunt tun, wenn Gutmenschen sie als Nazis bezeichnen. Aber, aber, dass wären sie doch gar nicht. Ihnen ginge es ja nur ganz allgemein. Und überhaupt. Die Zukunft. Und wo solle das noch hinführen. Und man dürfe ja auch nicht die angeblich 4.000 IS-Terroristen vergessen. Bisher dachte ich zwar immer, zumindest wurde mir ja bisher von gewissen Kreisen so versucht Angst zu machen, dass die eh schon alle bei uns sitzen. Dass da eh schon immer in den doch überhaupt nicht in österreichische Landschaften passende Moscheen arme unschuldige Seelen verführt würden. Aber gut. Jetzt kommen auf einmal doch alle zu uns. Gibt ja für einen Terroristen auch keinen einfacheren Weg als eine Flucht quer durch ach so sichere Drittländer. Weil klar, was in Ungarn gerade abgeht, dieser Orban, das ist dann mal ein echter Demokrat. Und der meint es ja auch nur gut. Also wirklich. Und he, Stacheldraht und Tränengas geht immer.

Aber eigentlich wollte ich ja was zu den christlichen Werten sagen. Wobei, eine kleine Ausführung sei mir vorher noch gestattet. Nämlich tatsächlich eh auch zu christlichen Werten. Ich mag ja Bischöfe und so nicht. Aber Kardinal Marx sagt dann doch mal was schönes. „Wenn wir nicht helfen würden, wenn wir Europa mit einer Mauer umgeben und weiter zulassen, dass an unseren Grenzen Menschen ertrinken und ersticken, dann ist die christliche Existenz Europas wirklich gefährdet.“ Tja, in your face.

Wobei dieser Satz natürlich nur für christliche Existenzen gilt. Und die gibt es halt, weder bei der großen Allgemeinheit noch beim rechten Gesocks, nicht mehr wirklich im Abendland. Weil tatsächlich das Europa, so wie wir es heute kennen, so wie wir es heute leben, unsere Werte und Einstellungen, unsere Moral, nicht auf christlichen Werten beruht. Sondern auf der Überwindung dieser christlichen Werte. Humanismus, Aufklärung, nicht mehr Inquisition und Hexenverbrennung. Kein Auge um Auge. Zahn um Zahn. Aber Humanismus und Aufklärung sind eben Themen, da sind die Freunde auf der rechten Seite der Straße halt auch etwas schwerhörig.

So, genug gewütet, das nächste Mal interessiert mich dann, warum wir mit den Wirtschaftsflüchtlingen in Mallorca auf RTL2 und VOX mitfiebern, warum es ganz cool ist, dass im Großraum Chicago mehr Menschen mit burgenländischen Wurzeln als im Burgenland selbst leben, aber Menschen die zu uns wollen, dieser Wunsch nach einem besseren Leben kategorisch verwehrt wird.

Kommentare sind geschlossen.