Winners & Losers

Stellen wir uns mal einen Inline-Skater vor – so richtig klischeehaft überzeichnet. Also ich denk da so an den tpyischen kalifornischen Surfertypen. Braun gebrannt, halblanges Haar, kunstvoll nicht geschnitten, was weiss ich, klischeehaft halt. Jetzt ist es zwar nicht unbedingt ein Problem für mich, dass man mir nachsagt, eher einem anderen Sportlerklischee zu entsprechen, aber das ändert nichts daran, das es so ist.

 

Aber wie dem auch sei, auch wenn ich tatsächlich dieses Trikot getragen habe und gar nicht mal so schlecht gespielt habe, Klischees sind nun mal doch nur Klischees, schließlich sind auch nicht alle Basketballerinnen grosse schöne Blondinen (aber zum Glück alle die ich kenne) und deshalb kann ich nicht nur fantastische Doubles schlagen sondern tatsächlich auch skaten. Und auch das an und für sich nicht mal so schlecht. Hab ich zumindest geglaubt. Bis gerade eben. Aber vielleicht sollte ich die Geschichte doch der Reihe nach erzählen…

Sabine und meine Wenigkeit haben sich für den Skate-Halb-Marathon in Eisenstadt angemeldet. Genau genommen war es sogar meine Idee und ich war eigentlich felsenfest davon überzeugt, dass 21 km mit den Inlineskates zwar hart werden, aber auf jeden Fall schaffbar sind. Hab ich geglaubt. War aber nicht so.

Ich will jetzt keine Ausreden sammeln, ich schildere nur die Verhältnisse: sehr gute Organisation, leider sehr wenig Teilnehmer, bissi regnerisch, Strecke nass, leicht windig, aber ansonsten o.k. Von den elf Teilnehmern des Halbmarathons sind beim Startschuss acht mal ganz locker weggezogen, zur neunten gab es nach den ersten paar Kilometern schon einen kleinen Abstand und mich noch ein bisserl mehr Abstand folgen dann Sabine und ich (wobei Sabine sicher schneller hätte fahren können, sie war wohl nur so höflich und hat auf mich gewartet) und bis zur Hälfte der ersten Runde ist es ja noch ganz gut gegangen. Doch dann kam ein Bergaufstück, Gegenwind und meine Lunge und meine Muskeln haben w.o. gegeben. Also hab ich – um es kurz zu machen – beschlossen, nach der ersten Runde aufzugeben. Was heisst überhaupt beschlossen, ich konnte einfach nicht mehr, unmöglich (ich denk mal so ab der Hälfte der ersten Runde ist die Sabine nicht mehr mein Tempo gefahren, weil sie höflich sein wollte, sondern um aufzupassen, dass ich nicht umkippe), ich war stehend k.o. und wenn ich nicht Angst gehabt hätte, nicht mehr aufstehen zu können, hätte ich mich am liebsten hingelegt und leise vor mich hin gejammert…

Also sind wir schön gemütlich durchs Ziel gerollt, haben unsere Zeitchips abgegeben (alleine weiterfahren wollte Sabine nicht, schließlich hat mein langsames Tempo dafür gesorgt, das der Rückstand nicht mehr aufholbar gewesen wäre) und noch nie in meinem Leben hat mir ein isotonisches Getränk so gut geschmeckt.

Remember a quitter never wins and a winner never quits.

Also bin ich ein Loser, hab mir wohl ein zu hohes Ziel gesteckt, hab versagt… Wobei andererseits, Bruce Springsteen singt im selben Song noch weiter:

Now don’t try for a home run baby
if you can get the job done with a hit.

Und da sag ich nein, da hat er nicht recht. Ich hab schon in der Schule beim Kicken den Fussball beim leeren Tor vorbei geschossen. Ich steh nun mal nicht auf Dinge die ich ohne Probleme erreichen kann (und ich weiß schon, damit hab ich mir das Leben schon oft schwerer als notwendig gemacht, aber he, solange es Spaß macht…). Wer wäre ich denn, wenn ich mir nicht hohe Ziele stecke, wenn ich nicht versuche, das Unmögliche zu erreichen. O.k. ich bin auf die Schnauze gefallen heute, natürlich bin ich zerknirscht und sauer, aber andererseits

Wir stürzen nur, um wieder aufstehen zu lernen.

Und mir Ziele stecken, die ich ohne Probleme erreichen kann? Wozu dann die Ziele überhaupt erreichen wollen. Ja klar, ich hab im Sommer viel weniger Sport getrieben als ich es hätte tun sollen und der nächste Monat wird hart, weil die Standortbestimmungen für den Enzersdorfer Herbstlauf war heute schon ein bisserl sehr bitter aber andererseits war ich diesen Sommer so sportlich wie schon viele viele Jahre nicht mehr. Und natürlich war es großkotzerisch und naiv und dumm zu glauben, daß ich einen Halbmarathon packe. Aber noch einmal, man kann nur scheitern wenn man etwas wagt und wenn ich versucht habe, etwas Unmögliches zu erreichen, waren das meist die besten Stunden meines Lebens. Eines dürfen wir nicht vergessen, triumphieren kann man nur bei grossen Zielen, bei einem 5-km-Funlauf anzutreten und durchzukommen ist o.k., ein Sieg vielleicht, aber kein grosser Triumph. Und ich versage lieber als keine Chance auf einen Triumph zu haben.

Ergibt das Sinn? Ist mir egal. Ich bin so. Natürlich bade ich mich jetzt auch ein bisserl in Selbstmitleid und gegen tröstende Worte habe ich nichts einzuwenden – aber morgen geh ich Rad fahren und Dienstag und Donnerstag wird gelaufen und das heute war ganz sicher nicht der letzte Halbmarathon der mich gesehen hat.

Und deshalb ja, ich bin heute der Loser. Keine Frage. Looooooooooooser. Aber ich steh auf – auch keine Frage. Und ausserdem, als ich wieder halbwegs normal atmete, konnte ich sowieso schon drüber lachen. 🙂

Der Song von Bruce Springsteen ist übrigens „My best was never good enough“ und weil es den leider nirgends als Video zu finden gibt verlink ich dafür den hier. Ist zwar nicht vom Boss und hat auch fast gar nichts mit dem Thema zum tun, gefällt mir aber trotzdem grade gut.

 

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